Das Wahnsinns-Jahrzehnt: Wir da zwischen 20 und 30

Die Zeit zwischen 20 und 30. Eine Zeit, in der sich für uns so viele Weichen stellen wie in keinem anderen Jahrzehnt. In dem wir die Welt entdecken sollen, die wir später mal retten werden. (Angeblich.)

Ich habe neulich mit einer Freundin darüber gesprochen, und ich gebe ihr Recht: In der Zeit zwischen unserem 20. und unserem 30. Lebensjahr entscheiden wir unser späteres Leben, treffen wichtige Entscheidungen, lernen, Verantwortung zu übernehmen (oder eben nicht). Wir lernen, wir lieben, wir ziehen aus, ziehen ein, ziehen um, trennen uns, bauen Nester, zerstören sie, trauen uns oder trauen uns nicht – das zu machen, was wir machen wollen.

Dies ist die Zeit, in der wir erwachsen werden. Sollen.

In der wir herausfinden sollen, wer wir sind.

Wohin wir wollen.

Wen wir wollen.

Was wir wollen.

Die Zeit, in der wir einen roten Faden in dem Wollknäuel finden sollen, das wir Leben nennen. Dabei gibt es so viele lose Enden. Nach denen wir nur greifen müssen?

Allein die viele Fragezeichen, die dieses Jahrzehnt mit sich bringt! Wahnsinn!

Kreieren wir, wer wir sind? Aber wer sind wir denn, die die Welt mal retten sollen? Fotos: M.Denecke

Kreieren wir, wer wir sind? Aber wer sind wir denn, die die Welt mal retten sollen? Fotos: M.Denecke

Welche Ausbildung? Oder Studium? Welches? Und wo? Und wie lang? Master machen? Zweiten Master? Promovieren? MBA? Erasmus zwischendurch? Und wo? Ein Auslandsjahr? Ganz ins Ausland gehen? Doch auf Lehramt umsatteln? Hatten meine Eltern doch Recht? Und werde ich allmählich wie meine Mutter?

Rebellieren? Oder doch nicht?

Und wenn ja – wie denn noch?

Alles ist möglich, alles machbar – also machen wir alles.

Alle Praktika.

Alle Sprachkurse.

Alle Sportkurse.

Alle Partys.

Alle Formen der Liebe.

Damit man hinterher sagen kann: Ich habe alles mal gemacht? Wann denn – mit 30? 31? Mit 50?

Damit man, irgendwann um die oder ab 30, heiraten und Kinder kriegen und auf ein Haus sparen kann?

Könige der Sozialen Netzwerke

Wir sollen (wollen?) erwachsen werden. Aber wie stellen wir das im Lebenslauf dar? (Hauptsache ist, der weist keine Lücken auf!)

Wir müssen alles wollen. Und alles können. Und das vor den Augen aller anderen.

Die Sozialen Netzwerke sind unsere Königreiche, und der Pop ist unsere Regierungsform.

Wenn wir Geld verdienen, dann so wie im „Business Punk“.

Wenn wir alternativ sind, dann so wie in der „Flow“.

Wenn wir jung sind, dann so wie in der „NEON“.

Wenn wir protestieren, dann mit Facebook-Veranstaltung.

Wenn wir kommentieren, dann via Twitter.

Wenn wir kochen, dann mit Blog. (Schreibt die Bloggerin.)

Wenn wir stricken, dann mit Pinterest.

Wenn wir reisen, dann mit Tumblr.

Wenn wir unser eigenes Ding machen, dann mit Crowdfunding.

Kunst? Geld verdienen? Rebellieren? Geht das noch?

Kunst machen? Geld verdienen? Rebellieren? Geht das noch?

Die Welt ist unser Zuhause.

Fernbeziehungen? Hat doch heute jeder. Jedes Wochenende in einer anderen Stadt – kein Problem! Und Weihnachten in drei verschiedenen Ländern – bei Papas neuer Familie, den Großeltern und der Familie des Freundes – na klar! Ein bisschen stressig war’s, aber echt schön.

Unser Leben, es ist casual-kosmopolitisch. „Schnell nach Kuba, bevor da alles anders aussieht!“ – „Ich ziehe im Oktober nach Kenia – und was machst du so?“ – „In der Mongolei, weißt du, da ist es so, dass… warte mal, da habe ich noch ein Video von…“

Hauptsache, wir bleiben Schwämme und saugen die Welt in uns auf.

Wir sollen, wollen, sie ja schließlich mal retten.

Hauptsache, wir halten mit.

Sehenswert!

Übers Scheitern: Die „Commencement Speech“ von „Harry Potter“-Erfinderin J.K. Rowling an der Uni Harvard: https://www.youtube.com/watch?v=wHGqp8lz36c

Übers Hinausgehen in die Welt: Die „Commencement Speech“ von „Game of Thrones“-Schauspieler Peter Dinklage: https://www.youtube.com/watch?v=CuEfEv0OlsY

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Hat die Förderschule noch Zukunft? Eine Spurensuche

Hat die Förderschule noch Zukunft in Deutschland? Bringt Inklusion wirklich das, was sich Politiker davon versprechen? Können alle Schüler gleich behandelt werden? Und haben alle Schüler eine chancenreiche Zukunft vor sich?

Förderschule - in Deutschland nicht gewollt. Aber gebraucht? Foto: M.Denecke

Förderschule – in Deutschland nicht gewollt. Aber gebraucht? Foto: M.Denecke

Wenn ihr hier klickt, kommt ihr zu der Reportage, die Kollegen und ich an der Hasenclever-Förderschule in Gevelsberg, NRW, gemacht haben. Die Reportage ist 30 Minuten lang und läuft bei nrwision, dem Lernsender für Nordrhein-Westfalen, ausgestrahlt.

Die Reportage entstand im Rahmen der Arbeit bei do1, der Fernsehredaktion der TU Dortmund.

Viel Spaß!

Neues Video: Liebesgeschichten aus dem Zoo

Wie geht es einer Orang-Utan-Dame, die hochschwanger ist? Und was darf eine schwangere Pflegerin noch alles im Zoo machen? Und was machen Robben ganz besonders?

Ziege im Zoo

Noch solo im Zoo… Foto: M.Denecke

In der Sendung Ortstermin: Beziehungsgeschichten aus dem Zoo besuchen wir Journalistik-Studierenden der TU Dortmund die tierischen Bewohner des Dortmunder Zoos. Die Sendung ist 14 Minuten lang.

 

Viel Spaß bei unseren tierischen Geschichten!

 

Neues Video: Wie Chemie uns im Alltag begegnet

Einige Journalisten-Kollegen und ich haben uns einmal angesehen, wo Chemie denn überhaupt in unserem Leben vorkommt. Denn ob Schmetterlinge im Bauch oder Blutvergiftung – letztendlich läuft in unserem Alltag alles auf die Chemie hinaus. Und das kann so betörend wie gefährlich sein.

Hier geht es zur Fernsehsendung „Ortstermin: Chemie des Alltags“, produziert von uns, Journalistik-Studierenden der TU Dortmund, gezeigt auf www.do1.tv sowie www.nrwision.de. Die Sendung dauert knapp 25 Minuten.

Viel Spaß!

“Ausländische Studenten haben es nicht leicht”

Wer an der TU Dortmund studiert und gleichzeitig aus dem Ausland kommt, der hat es schwer, sehr schwer. Das zumindest sagt Maia Iobidze, 29, die selbst aus Georgiens Hauptstadt Tiflis stammt und seit 2005 an der TU studiert. Gerade hat sie den Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes für ihr Engagement bekommen. Dabei kämpft sie, immer noch – denn an der Situation ausländischer Studierender muss viel verbessert werden, sagt Maia. Mit ihr sprach pflichtlektuere.com-Autorin Marie Denecke.

pflichtlektuere.com: Was genau macht das Autonome Ausländerreferat, das AAR, eigentlich?
Iobidze: Es kümmert sich um alle Belange der Studierenden, berät und unterstützt sie, vertritt ihre Interessen in der Hochschulpolitik wie etwa im Studierendenparlament. Wir sind Ansprechpartner für alle Themen der ausländischen Studierenden, helfen zum Beispiel auch bei Problemen rund um Prüfungen oder rund ums Visum. Bei Letzterem haben wir momentan zwar nicht viele Möglichkeiten, aber eine Nachfrage und Beratung hilft oft schon. Außerdem organisieren wir interkulturelle Veranstaltungen, kooperieren mit unterschiedlichen Vereinen, der Ausländerbehörde in Dortmund, dem Referat Internationales und den Ausländerbeauftragten der Fakultäten. Momentan wird zum Beispiel auch daran gearbeitet, eine Korrekturstelle in der studentischen Selbstverwaltung, dem AStA, einzurichten.

pflichtlektuere.com: Mit welchen Schwierigkeiten werden ausländische Studierende in Deutschland konfrontiert?
Iobidze: Das wichtigste Thema ist das Visum. Ausländische Studierende müssen immer fürchten, dass ihr Visum nicht verlängert wird. Sie wissen nicht, ob sie für ein oder zwei Jahre oder nur für ein paar Monate hier sind. Das ist eine Planungsunsicherheit, die sehr schwierig ist für die Studierenden. Wir bekommen viel von dem mit, wie es bei der Ausländerbehörde hier in Dortmund läuft. Ob das Visum für einen Studierenden verlängert wird, hängt manchmal einfach von der Tagesstimmung des Sachbearbeiters ab. Studierende werden manchmal sogar angeschrien und abweisend behandelt. Gründe dafür sind oft Unterbesetzung und mangelnde interkulturelle Kompetenz. Auch haben die Studierenden oft große Schwierigkeiten, eine Wohnung zu finden, weil Vermieter Angst haben, ihr Geld nicht zu bekommen. Wir vom AAR wissen zum Beispiel, dass vielen Studierenden aus Afrika, aber nicht nur, auf der Wohnungssuche nicht mal die Tür aufgemacht wird. Auch Ausländerfeindlichkeit ist oft noch ein Thema.

pflichtlektuere.com: Und wie ist die Situation an der TU?
Iobidze: Der Anfang für ausländische Studierende ist schwer. Sie kennen das Land nicht, können die Sprache nicht so gut, das Hochschulsystem ist ganz anders. Es braucht Zeit, sich an das alles zu gewöhnen. Ich musste mir zum Beispiel angewöhnen, laut meine Meinung zu sagen. Den Dozenten fehlt oft die interkulturelle Kompetenz und die anderen Studierenden gehen auf die ausländischen Studierenden oft nicht ein. Auch ist Information hier ein Problem. Viele Studierende verpassen zum Beispiel die Einführungsveranstaltungen der Uni, weil sie arbeiten müssen oder noch gar nicht im Land sind. Es wäre schön, wenn die Betreuung der außereuropäischen Studenten auch so aktiv gestaltet werden würde wie bei den Erasmus-Studenten. Man merkt einfach, dass Erasmus-Programme wesentlich besser finanziert werden als andere.

pflichtlekuere.com: Wie war das bei dir, als du im Jahr 2005 an die TU kamst?
Maia ist 2002 als Au-Pair nach Deutschland gekommen. Nach Sprachkursen hat sie im Sommersemester 2005 ihr Studium in Dortmund begonnen. Derzeit macht sie ihren Master in Psychologie und Sozialpädagogik auf Lehramt. Neben ihrem Studium war sie immer engagiert, war Mitglied im Fachschaftsrat Psychologie, engagierte sich im AAR und bietet Schreibberatung an.
Iobidze: Ich habe mich schlecht beraten gefühlt. Zum Beispiel habe ich erst nach vier Semestern gemerkt, dass ich meine Fächer auf Lehramt studiere. Das hat mir am Anfang niemand gesagt. In der Beratung des Referat Internationales sitzen Berater, die sich mit den einzelnen Fächern nicht so gut auskennen. Mir wurde zum Beispiel geraten, Journalistik zu studieren, weil ich doch so gut Deutsch spräche – aber das wäre nie etwas für mich gewesen. Die Studierenden, die an der TU studieren wollen, müssen dann auf einem Zettel ankreuzen, was sie studieren möchten, zumindest war das bei mir vor sieben Jahren so. Dabei geht es vielen vor allem darum, so schnell wie möglich die Studienzulassung zu bekommen. Das liegt daran, dass sie ihr Visum und damit ihre Arbeitserlaubnis erst dann bekommen, wenn sie auch die Zulassung der Uni haben. Das sollte bei der Beratung im Hinterkopf bleiben. Die Beratung, wie es sie jetzt gibt, ist natürlich wichtig, aber die Wünsche und Möglichkeiten der Studierenden sollte stärker berücksichtigt werden. Wegen der Lehramtsgeschichte habe ich ein Jahr lang sehr mit mir gehadert. Inzwischen mag ich es aber und hoffe, im Mai mein Referendariat zu beginnen. Gerade Psychologie als Unterrichtsfach macht mir sehr viel Spaß.

pflichtlektuere.com: Wie kann man die Situation der ausländischen Studierenden an der TU verbessern?
Iobidze: Die Liste ist lang. Es sollte zum Beispiel bessere Beratungen geben. Außerdem sollte in jeder Fakultät und in jedem Institut der Faktor, dass ausländische Studierende dort auch studieren und dass sie manchmal intensivere und aufmerksame Betreuung brauchen, allen bewusst  sein. Dementsprechend sollten auch die Angebote gestaltet werden. Auch die Fachschaften sollten diese Zielgruppe nicht aus den Augen verlieren. Oft wissen selbst die Ausländerbeauftragten nicht, wie viele ausländische Studierende in der jeweiligen Fakultät studieren, und machen keine spezifischen Angebote. Dabei sollte zum Beispiel eine regelmäßige Rückmeldung zu den Hausarbeiten und Klausuren fester Bestandteil des Betreuungsangebotes sein – und zwar für alle Studierenden. Denn die Noten vieler Studierender werden um sehr viele Punkte heruntergesetzt nur wegen ihrer Rechtschreibfehler. Da müsste es auch innerhalb der Institute Angebote geben, die den Studenten helfen. Daher hoffe ich auch, dass die Schreibberatung fester Bestandteil der Universität bleibt, auch wenn die Projektphase ausgelaufen ist.

pflichtlektuere.com: Habt ihr Probleme, Studierende für eure Arbeit zu begeistern?
Iobidze: Ja, schon. Viele wissen nicht einmal, dass es solche Gremien wie das AAR gibt, oder erfahren erst sehr spät davon. Außerdem wissen viele auch nicht, dass die Gremienarbeit manchmal mit Honoraren vergütet werden. Das Problem, Studierende für Hochschulpolitik zu begeistern, ist aber eher ein generelles. Bei ausländischen Studierenden kommt hinzu, dass sie kaum Zeit haben neben ihrem Studium, der Arbeit, Deutsch lernen und Terminen bei der Ausländerbehörde, sich noch hochschulpolitisch zu engagieren. Oft aber trauen sich viele erst gar nicht. Daher sollten die Fachschaftsvertreter darauf achten, dass sich die Vielfalt der Studenten in den Studiengängen auch in der jeweiligen Fachschaft wiederspiegelt. Denn genau dadurch hatte die Fachschaft Psychologie, deren Mitglied ich war, sehr viel Erfolg und wurde als beste internationale Fachschaft 2010 ausgezeichnet.

pflichtlektuere.com: Wann und warum hast du dich engagiert?
Iobidze: Ich habe angefangen in der Fachschaft Psychologie. Freiwillig hätte ich das allerdings nie gemacht. Anfangs wusste ich gar nicht, dass es so etwas wie eine Fachschaft gibt. Aber eine Freundin hat mich dazu überredet, mich in der Fachschaft zu engagieren. Und dann habe ich mich in die Themen der Hochschulpolitik eingearbeitet, hatte verschiedene Aufgaben. Ich bin zum Beispiel zu den Fachschaftsrätekonferenzen und ins Studierendenparlament gegangen. Was ich da erlebt habe, hat mich aber schockiert.

pflichtlektuere.com: Wieso?
Es herrschen eher feindselige Kommunikationsformen vor, mit denen engagierte Studenten aus der Hochschulpolitik gejagt werden. Unsere Vorschläge wurden oft von vornherein abgelehnt. Wir ausländischen Studierenden und AAR-Mitglieder wurden oft wie Verbrecher behandelt, jeder neue Beschluss war ein Kampf. Und ich musste viel kämpfen. Das AAR hatte bis vor einigen Jahren zum Beispiel nur ein Budget von 1000 Euro jährlich. Was soll man damit schon machen können? Ich habe es jetzt auf 12.000 Euro jährlich aufstocken können, aber das ist immer noch minimal im Gegensatz dazu, wie viel Geld ausländische Studierende für den AStA zahlen. Das sind insgesamt circa 36.000 Euro jährlich, denn wie alle Studierenden zahlen auch die ausländischen Studierenden 6,51 Euro pro Kopf dafür. Es wäre viel hilfreicher, wenn mit diesem Geld ein Hilfsfond eingerichtet würde oder die bereits erwähnten Korrekturarbeiten geleistet würden. Aber so, wie es jetzt ist, werden die AAR-Referenten oft nicht in wichtigen Themen einbezogen wie etwa die Anstellung eines Ausländerberaters.

pflichtlektuere.com: Warum sollten sich ausländische Studierende trotzdem engagieren?
Iobidze: Damit ihre Interessen vertreten werden. Außerdem ist es wichtig, diese Erfahrungen für das spätere Berufsleben mitzunehmen. Denn auch Konflikte bringen einen weiter. Ich möchte diese Erfahrungen nicht missen und habe viel daraus mitgenommen. Allerdings sollten sich ausländische Studierende nicht nur für die Angelegenheiten der ausländischen Studenten einsetzen, sondern grundsätzlich mitmachen. Es ist wichtig teilzuhaben und teilzunehmen.

Veröffentlicht auf http://www.pflichtlektuere.com am 21.11.2012. Den vollen Artikel findet ihr hier.

Strandmode auf dem Campus?

Sonnenschein und Temperaturen über 25 Grad. Spätestens seit einigen Wochen heißt es auch für die meisten bei uns in Deutschland: Flip Flops und Hotpants aus dem Schrank herausholen und die Sonne genießen. Aber sollte man Strandmode auch in der Uni tragen?

Von Marie Denecke

Schon klar: Wenn die Sonne vom Himmel knallt, dann will man nicht an der Uni sein.

In keinem stickigen Seminarraum, in keiner hutzeligen Wohnung, keiner Bibliothek und keinem unspektakulären Gebäude sonstiger Art. Sondern am liebsten draußen. Wo man sich im Sand oder zumindest auf dem Rasen aalen kann, bestenfalls auch mal in den See springen, wo man alles dafür tun kann, um der Sonne auch das letzte Fitzelchen Bräunungskraft abzugewinnen.

Und das kann man nicht nur durch gnadenloses Sonnenbaden erreichen, sondern auch durch ebenso unerbittliches Tragen äußerst knapper Klamotten. Denn, wer will das schon: einen weißen Oberarm und einen tiefbraunen Unterarm, nur weil man obenrum halt ein T-Shirt getragen hat, oder senkrechte weiße Bahnen auf je einem Schulterblatt, wo BH- und Top-Träger saßen. Macht sich gar nicht gut, wenn man sich von der Vorlesung an den Strand oder sich zumindest auf die Wiese vor dem Hörsaal gerettet hat.

Flip Flops – der Traum eines jeden Orthopäden

Aber, Moment… Leben wir nicht in Zeiten des Multitaskings? Warum also nicht auch die Zeit an der Uni dazu nutzen, sich gleich an die Bekämpfung dieser hässlichen weißen Stellen zu machen, die eh nicht zum Bikini-Look passen? Also, Mädels: Top (trägerlos) an, Hotpants (wahlweise auch kurz unterm Hintern angeschnittene Jeans) an! Und Jungs: Bermuda-Shorts (am liebsten wild gemustert) an, T-Shirt (stört eh nur) aus! Spart auch gleich noch Zeit, wenn man denn nach dem Seminar doch noch schnell zum See möchte. Oder falls man es gar nicht mehr schafft, hat man sich das See-Gefühl gleich mitgebracht in die schnöde Übung. Super!

Vergesst aber dann auch nicht das beinahe wichtigste Accessoire: Flip-Flops. Oh ja. Dieser Traum eines jeden Orthopäden, der dem Träger einen einigermaßen aufrechten Gang vereitelt. Und allen Menschen ungefragt etwas über Fußhygiene erzählt. Und schon eine halbe Stunde vorher durch lautes Knallen ankündigt, dass der Träger die Flure entlanggeschlappt kommt.

Eine Frage des Respekts

Liebe Kommilitonen: Denkt doch einfach mal ein bisschen länger darüber nach, wie ihr an die Uni geht. Nicht nur macht ihr euch beim Referat oder der nächsten Sprechstunde lächerlich, wenn ihr jedem unter die Nase reibt, welche neongrelle Klamotten-Absurdität ihr nach dem Winter aus dem Kleiderschrank gezerrt habt. Auch ist es eine Frage des Respekts und guten Geschmacks, dass ihr nicht jedem zeigen müsst, wie denn eure Beine bis hoch in den Schritt aussehen – unabhängig davon, ob sich der Anblick nun lohnt oder nicht.

Und, keine Panik: So schnell verschwindet kein Badesee. Zeit zum Umziehen bleibt immer.

Veröffentlicht am 31.05.2012 auf http://www.pflichtlektuere.com. Den Artikel gibt es hier.

Banker – ein Traumjob?

“Wirtschaftswissenschaften”, oder noch besser: “Management and Economics”. Wer studiert denn das bloß? In Zeiten der Finanzkrise? Ob gewollt oder ungewollt kommt einem da sicherlich schnell der Gedanke: Aha, der wird mal Banker. Ein Mensch ohne Gewissen. Der viel Kohle hat, aber keine Moral.

Von Marie Denecke

“In der Schublade ist man drin, da kommt man nicht mehr raus”, sagt Markus Müller. Er ist 25 und macht derzeit seinen Bachelor an der Ruhr-Universität Bochum (RUB) in “Management and Economics”. Heute ist er mit drei seiner Kommilitonen an die Fakultät gekommen, um mit pflichtlektuere.com darüber zu sprechen, wie er eigentlich aussieht, der Berufstraum eines heutigen Wirtschaftsstudenten. Ist die Börse ein Traumarbeitsplatz, ein Traumjob?

“Mein Berufswunsch hat sich nicht geändert”, sagt Matthias Musholt, 24. “Gegenüber jedem Beruf gibt es Vorurteile. Man wird so oder so einfach abgestempelt.” Auch wenn er nicht unbedingt eine leitende Position in einer Bank haben möchte – als Wirtschaftsprüfer zu arbeiten, könne er sich genauso vorstellen. Bachelor-Student Markus kann sich jedoch vorstellen, Banker zu werden. “Hinter dem Begriff Banker steckt mehr als nur Finanzgeschäfte”, sagt er. Durch die Krise ergäben sich hier sogar neue Möglichkeiten: “Die neuen Vorschriften führen dazu, dass mehr Leute gebraucht werden.”

“Wir haben die Chance, uns einzubringen”

“Bankgeschäfte machen”, das könne er sich beruflich vorstellen, sagt Sascha Tobias Wengerek. Da habe die Krise nichts geändert – aber in einem sozialen Feld zu arbeiten, könne er sich ebenso vorstellen. Der 24-Jährige steckt derzeit mitten in seinem Master in “Management and Economics” an der RUB. In einem Jahr wird er fertig sein. Er hat 2008 angefangen zu studieren, “das war gerade der Anfang der Krise”, erinnert er sich. Er sehe die Krise als “Chance”: “Wir haben jetzt die Chance, uns einzubringen.” Im Studium habe er gelernt, wie die Krise aufgebaut ist, welche Strukturen und Prozesse dazu geführt haben, was sich jetzt geändert hat, er nennt die Stichworte Basel III und MaRisk, Instrumente zur Bankenregulierung und zum Schutz der Anleger.

Wie es zu der Krise gekommen ist, das haben Marco Muschallik, Markus Müller und Matthias Musholt noch nicht im Studium gelernt – sie stecken noch mitten in ihrem Bachelor und lernen gerade erst die Grundlagen, “Banking and Finance” etwa. Doch auch sie machen sich ihre Gedanken über die Krise. “Die Krise hat Regulierungen vorangebracht. Das ist positiv”, sagt Matthias rückblickend.

Doch für das Ansehen der Menschen, die mit dem Bankwesen zu tun haben, hat sie eher Schlechtes gebracht. Nicht jeder, der im Bankwesen arbeitet, ist schließlich Banker oder Börsianer, nicht jeder hat gleich mit Unsummen von Geld zu tun oder setzt das Geld von Bankkunden ein, um mit riskanten Finanzgeschäften zu spekulieren. Trotzdem: Seit Ausbruch der Krise schmeißen viele Menschen das alles in einen Topf.

Das kann Matthias bestätigen: Er hat im Jahr 2007 mit seiner Lehre im Bankwesen angefangen. Und mit Vorurteilen sei er zu Zeiten der Krise oft konfrontiert worden, beispielsweise dass Banker oder auch einfache Bankangestellte wie Matthias, die bei einer Genossenschaftsbank ihre Lehre machten, ihr “Geld verzocken” würden, erzählt der Student. “Sogar bei ganz einfachen Überweisungen.” Doch der Coesfelder zeigt Verständnis: “Die Leute hatten einfach Angst um ihr Geld. Gerade ältere Leute, die so eine Krise vielleicht schon mal miterlebt haben.” Er habe dann versucht, sie zu beruhigen.

Auch Markus hat schon eine Banklehre bei der Sparkasse absolviert. Da habe es von den Kunden oft Seitenhiebe der Art gegeben, dass “Banker alle schlecht” seien, erzählt er. “Das habe ich auch im Bekanntenkreis gemerkt”, sagt Markus. “Man wird direkt in eine Schublade gesteckt.”

“Banken müssen offener werden”

“Für die Leute ist es einfach, auf Banken einzuschlagen”, sagt Bachelor-Student Marco, 21. “Aber sind denn wirklich nur die Banken schuld?” Warum, fragt er, hätten die Banken denn solche Freiräume gehabt? Auch die Politik trage Schuld an der Krise. Zu intransparent sei das Bankengeschäft, kritisiert Sascha. “Die Leute verstehen nicht, was Banker tatsächlich tun.” Er fordert: Die Banken müssen offener werden, mehr kommunizieren.

Und die Proteste auf der Straße, die “Occupy”-Bewegung oder “Blockupy Frankfurt”? “Den Frust kann ich nachvollziehen”, sagt Sascha. “Bei den Bankgeschäften geht es schließlich um Milliardensummen. Und die Proteste zwingen die Politik dazu, über Regularien nachzudenken.” Auch Matthias schüttelt den Kopf über die Unsummen, um die es bei den Finanzgeschäften geht. “Man muss sich mal überlegen, was Banker verdienen, und was für Geld sie gleichzeitig verbrannt haben!”

“Das sind Extrembeispiele”, gibt Markus zu bedenken. “Bankkaufleute zum Beispiel verdienen nicht viel.” Auch Marco sieht Positives in den Protesten: “Eine bessere Regulierung der Bankgeschäfte ist ein unheimlich schwieriger Prozess, der über Jahre dauert. Damit der Prozess aber nicht einschläft, brauchen wir solche Proteste. Man sollte nur nicht auf einige wenige einkloppen.”

Doch genau diese Proteste und die Berichterstattung darüber könnten sich negativ auswirken. “Bankgeschäfte funktionieren durch Erwartungen. Und genau die werden durch die Medien und die Politik beeinflusst”, gibt Marco zu bedenken.  “Der Protest verunsichert die Leute”, sagt Sascha.

Erst Sicherheit – jetzt wieder Risiko

Doch auch wir seien schuld an der Krise, wirft Matthias ein – wir alle. “Die Leute wollen doch immer mehr Rendite. Teilweise achten sie nicht mehr drauf, worin sie investieren.” Die Banken, sagt Marco, böten dann Finanzprodukte, die “die Leute auch haben wollen” – und die sie selbst irgendwann nicht mehr durchblickten, so Sascha. “Während der Krise hat man gemerkt: Die Leute gingen voll auf Sicherheit”, erzählt Markus. “Aber jetzt ändert sich das wieder.”

“Schon jetzt bieten manche Banken wieder vier Prozent Zinsen für Festgeld. Da fragt man sich doch: Wie machen die das?”, sagt Matthias ungläubig. Auch Sascha sieht für die Zukunft eher schwarz: “Die Gier ist einfach zu groß.”

In risikoreiche Geschäfte haben die vier Wirtschaftsstudenten übrigens nicht investiert, nicht einmal Aktien besitzen sie. “Ich habe zum Beispiel immer noch das klassische Sparbuch”, sagt Marco mit einem Lachen. Vielleicht ist das auch die bessere Methode.

Veröffentlicht am 20.06.2012 am http://www.pflichtlektuere.com. Den Artikel gibt es hier.