Andreas Kümmert und der ESC: So, so ein Skandal?

So, so, dass Andreas Kümmert nicht zum Eurovision Song Contest reisen will, ist also ein „Eklat“. Ein „Desaster“ gar (danke für die objektive Berichterstattung, n-tv). Ein Eklat, so stelle ich es mir vor, ist etwas Erschütterndes. Etwas Skandalöses (das sagt auch der Duden), ganz und gar Außergewöhnliches.

Und jetzt ist da jemand, der beim „ESC“-Vorentscheid antritt (dessen Sieger, das ist allgemein bekannt, zum ESC geschickt werden), auf den ersten Platz gewählt wird und einfach nicht zum ESC möchte. Stattdessen gibt er den Platz inklusive Gewinnerlied, falls gewünscht, an die Zweitplatzierte ab. Das ist außergewöhnlich, ja.

Aber ist das ein Eklat? Ist das ein Skandal?

Ich kann diejenigen gut verstehen, die für Andreas Kümmert gestimmt haben und sauer sind. Weil sie sich, auf gut Deutsch gesagt, verarscht fühlen. Warum nimmt auch jemand am Vorentscheid teil, wenn er eh nicht zum ESC will?

Doch genau in dieser Frage liegt für mich der Knackpunkt, weswegen Kümmerts Entscheidung eben kein Eklat für mich ist. Weswegen ich seine Entscheidung absolut nachvollziehbar finde.

Er hat beim Vorentscheid mitgemacht. Vielleicht hat er nie im Leben damit gerechnet, dass er gewinnen wird. Der Vorentscheid ist eine coole Sache, finde ich. Im vergangenen Jahr gab es da Teilnehmer wie Madeline Juno oder The Baseballs – ein bisschen ungewöhnliche, recht coole Typen. Und in diesem Jahr halt auch Andreas Kümmert.

Aber: Der Eurovision Song Contest ist noch mal eine ganz andere Hausnummer als der deutsche Vorentscheid. Beim ESC geht es um Riesenshow, Background-Tänzer, Nebelmaschinen, Glitzer, um Walle-Walle-Kleider und Walle-Walle-Haare (bei Männern wie bei Frauen). Es geht um viel Showbiz-Potenzial, das zum Beispiel auch Lena Meyer-Landrut mitbrachte, obwohl ihre erste ESC-Show noch höchsten Grades minimalistisch war. Es geht um die Präsentation eines ganzen Landes vor den Augen des pop-interessierten Europa. Dass da jemand nicht mitmachen möchte, kann ich gut verstehen.

Klar, das hätte dem Andreas Kümmert vorher einfallen können. Aber wer weiß schon, welche Gründe alle zu seiner Entscheidung geführt haben. Und ich denke, dass auch verdammt viel Mut dazugehört, sich vor ein Millionenpublikum zu stellen und so ehrlich zu sein. Anstatt zum Beispiel einen Tag später über die Agentur eine Pressemitteilung zu verschicken. Chapeau!

Jetzt noch eine Entschuldigung an diejenigen, die für ihn abgestimmt haben, und der „Skandal“ ist gegessen.

Ach ja, und: Glückwunsch an Ann Sophie! Das Leben geht doch manchmal ungewöhnliche Wege – schön!

Die Welt, sie ist klein

humansofnewyork:

„So get this. I’m driving down Park Avenue one day and this guy waves for me, so I pull over and I ask him where he’s going. He tells me 74th street, and I tell him that’s too far for me, because my shift just ended, so he says ‘thanks anyway’ and walks away. But then I think about it, and I start feeling bad for the guy, cause hey— I got a conscience. So I call him back to the cab and tell him to hop in. And he gets in the car all excited, all animated, and he’s talking about all these things. But he’s got his cap pulled down way over his eyes, so I can’t see who it is. But pretty soon I start to recognize his voice. And when we get to a light, I turn to him, and I look him in the eye, and I scream: „WIIIIIIILLLSSSSSOOOOOOON!!!“ And that really got him. He started laughing hard. He sees that I’ve got this Ferrari hat on, and a Ferrari shirt too, so he starts calling me ‘Mr. Ferrari.’ The whole ride, he keeps calling me ‘Mr. Ferrari.’ So after we get to his destination, we snap a quick photo, and he goes on his way. And I think that’s it. But that’s not it, cause get this. Over the next few weeks, I just happen to randomly pick up people that know him. People who have acted with him before, people who work with him. And every time, I tell them: ‘Tell Mr. Hanks that Mr. Ferrari says ‘hello.’“ Every time I say that. Then one day I’m driving, and I get a text from one of the people that I’d driven, and it says: ‘Mr. Hanks wants to invite you to see his Broadway show.’ So I bring my lady to the show, and we get to go backstage and everything, and after the show, we’re waiting for him in his dressing room, and he walks in and screams: ‘Mr. Ferrari!’ Can you believe that story? And you wanna know the craziest thing? The name of his show was ‘Lucky Guy.’ How crazy is that? Cause that was me. A lucky guy!“

Love these storys, and this one in patricular.

via http://www.humansofnewyork.com/

via http://mariemachtbilder.tumblr.com/

„Das Leben nicht damit verschwenden, Erwartungen zu erfüllen“

Reisen macht klug. Sogar weise. Ein Jahr Reisen muss einen so mit Erkenntnissen anfüllen dass man sie – nur noch aufschreiben kann. Meike Winnemuth, Journalistin, hat das im Jahr 2011 gemacht. Sie ist ein Jahr durch die Welt gereist – 12 Städte in 12 Ländern in 12 Monaten. Erkenntnisse dieses Jahres hat sie in ihrem großartigen Buch „Das große Los“ festgehalten. Erkenntnisse, von denen ich einige so schön und so klug fand, dass ich sie auch einmal festhalten wollte. Et voilà:

„Etwas Neues ins Leben zu lassen, Anfänger in einer Sache zu sein, ist die schönste Form von Adrenalin, die ich kenne.“

„Seltsamerweise sind es ja stets die einfachsten Sätze, die den größten Mut brauchen: Ich brauche deine Hilfe. Mich ärgert etwas. Ich habe Angst davor. Ich weiß nicht, wie das geht. Ich möchte es gern anders. Und gleichzeitig sind es genau diese Sätze, die etwas in Bewegung bringen.“

No worries, mate ist eine sehr brauchbare Weltanschauung.“

„Nie denken, man weiß schon alles.“ (bis hierhin aus dem „Sydney“-Kapitel)

„Das Vorübergehende zu lieben. Mehr estar, weniger ser.“

„(…) was für einen Gefallen man sich selbst tut, indem man anderen einen Gefallen tut.“ (bis hierhin aus dem „Buenos Aires“-Kapitel)

„(…) zuschauen, zulassen, hinnehmen.“

Andere Perspektiven einnehmen - und ganz genau hinschauen. Foto: M.Denecke

Andere Perspektiven einnehmen – und ganz genau hinschauen. Foto: M.Denecke

„Dass man jede Sache immer aus einer anderen Perspektive sehen kann. (…) Lohnt sich, immer mal wieder die Definitionshoheit infrage zu stellen.“ (bis hierhin aus dem „Mumbai“-Kapitel)

„Selbst hinfahren, hingehen, hinschauen ist die einzige Möglichkeit, sich von seinen Vorurteilen zu befreien.“

„Wenn ein Chinese etwas perfekt findet, sagt er cha bu duo. Übersetzt: ‚Es fehlt nicht viel.‘ Eine perfekte Haltung zum Thema Perfektion.“ (bis hierhin aus dem „Shanghai“-Kapitel)

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Wir basteln uns einen Bestseller – eine Glosse

Um Millionär zu werden, dachte ich als Kind immer, muss man besonders viel können: Man muss klug sein, irgendetwas besonders Dolles studiert haben, wichtige Leute kennen und unzählige Stunden am Tag in einem sehr hohen Gebäude in einer großen Stadt arbeiten. Heute weiß ich: Um Millionär zu werden, muss man nur kitschig schreiben können.

Wenn man bedenkt, dass Stephenie Meyer, Autorin der “Twilight”-Bücher (im Deutschen kreativst mit “Bis(s)…” übersetzt), durch ihre Arbeit pro Jahr so zwischen 40 und 50 Millionen Dollar Gewinn macht, ist das nicht schlecht. Was sie dafür brauchte? Einen Traum. Und Google.

Wie bitte, was? Genau: Meyer kam die Idee zu dieser östrogen-triefenden Schmonzette eines schüchternen Mädchens und eines ewig deprimierten Vampirs, die sich unsterblich ineinander verlieben, im Traum. Umrahmt von vielen bunten Blumen und einer sonnigen Lichtung, die es ins Buch und auch in den Film geschafft hat.

Bestseller - aus einem Buch Geld machen. Aber wie?

Bestseller – aus einem Buch Geld machen. Aber wie? Foto: M.Denecke

Dann brauchte die Amerikanerin, die bis dahin Englisch studiert und ihre drei Söhne groß gezogen hatte, nur noch die Suchmaschine, suchte sich ein bisschen was über Vampire, Werwölfe und den regnerischsten Ort der USA zusammen, und schon entstand auf rund 2300 Seiten die “Twilight”-Reihe, die weltweit den Buchmarkt auf den Kopf stellte und Teenies reihenweise davon träumen ließ, mal von einem Vampir gebissen zu werden. Verdammt, denke ich mir, warum hatte ich diese Idee nicht?

Oder gucken wir uns mal eine andere moderne Buch-Hysterie an: “Shades of Grey”, einem unverblümten Abklatsch der “Twilight”-Reihe. Dieses beinahe 2000 Seiten umfassende, häm, Meisterwerk kommt ganz ohne dieses ganze Fantasy-Gedöns aus, dafür gibt es halt so ein bisschen Sadomaso – die moderne Version des Hausfrauenpornos also. Hm, okay, ob ich das unbedingt gern geschrieben hätte, weiß ich nicht. Auf der anderen Seite: Allein in den ersten sechs Monaten nach Erscheinen des ersten Bandes wurden davon weltweit 30 Millionen Exemplare verkauft, den Verlagshäusern spülten sie Millionengewinne in die Kassen. Und die Autorin E.L. James wird sicherlich auch nicht ärmer geworden sein.

Und so schwer, denke ich mir, kann es doch nicht sein, so etwas einfach mal selbst zu fabrizieren. Was braucht man also, um einen Bestseller zu basteln? Wir haben euch die Zutaten zusammengestellt.

1. Der Protagonist

Im Zentrum unseres Projektes muss natürlich, wenn wir uns die vorher genannten Beispiele ansehen, ein Pärchen stehen: ein Junge, ein Mädel, die klassische Kombination. Noch klassischer wird’s in der Rollenverteilung: Der Mann ist der Versorger, und zwar einer, der klotzt, nicht kleckert – unter Multimillionär geht gar nichts. Ob der Typ aber ein mysteriöses Unternehmen hat, das ihn steinreich macht, oder er gut verdienende Eltern hat, ist vollkommen egal. Wichtig ist: Er darf nicht knauserig sein. Schließlich besitzt er ja nicht so viel Geld, um es in einem Tresor aufzubewahren – wir schreiben hier ja kein “Lustiges Taschenbuch”!

Also besitzt unser männlicher Protagonist einen ganzen Fuhrpark an schnellen Autos, hat ein Riesenhaus und mehrere Feriendomizile (gerne auch eine eigene Insel, dort, wo’s warm ist), schicke Klamotten und technischen Schnickschnack, gern etwa einen eigenen Helikopter.

Dass der Knabe gut gebaut sein muss, ist eigentlich so selbstverständlich, dass ich es hier nicht eigens erwähnen müsste. Ganz wichtig ist aber, in dem Roman jede Gelegenheit dazu zu nutzen, der (vor allem weiblichen) Leserschaft klar zu machen, wie gut gebaut der Junge ist.

Das kann ich gerne dadurch tun, indem ich die Protagonistin auf beinahe jeder Seite deswegen einen Ohnmachtsanfall bekommen lasse. Oder aber (noch subtiler) indem ich den Protagonisten einfach immer wieder sein T-Shirt ausziehen lasse – was dann seitenlang im Buch beschrieben wird. Das alles aber bitte in regelmäßigen Abständen! Immer wieder. Immer. Wieder.

2. Die Protagonistin

Nachdem wir uns das nun eingeprägt haben, kommen wir also zur Erzählerin des Ganzen: der Protagonistin. Aus irgendeinem Grund scheint es bei so einem überirdischen Exemplar von Mann gegeben, dass das Mädel so tollpatschig, schüchtern und unschuldig sein muss, dass es schon beinahe an Lächerlichkeit grenzt.

Aber egal, wir schreiben hier einen Bestseller, keinen neuen Shakespeare. Und da dem so ist, ist natürlich klar, dass das Mädchen trotzdem ziemlich gut aussehen muss – Brille und gesundes Essverhalten gehen gar nicht, lange Haare sind ein Muss. Und: Sie darf auf keinen Fall wissen, wie gut sie aussieht. Denn “entdeckt” wird sie ja erst durch den Super-Mann in unserem Buch.

Um das noch zu toppen, ist eins dringend nötig: Das Mädchen muss so unerfahren sein, wie es nur irgendwie geht. So oft, wie ich meinem Leser ins Hirn prügele, dass der Protagonist Adonis-mäßig aussieht, so oft betone ich auch: Dieses Mädchen ist eine Jungfrau, die von unserem Helden gerettet werden muss! Versteht das doch!

3. Das Umfeld

Unser Bestseller braucht natürlich auch einen entsprechenden Rahmen. Der ist zwar nicht besonders wichtig, weil er nicht von unserer Liebesgeschichte ablenken soll, aber so ganz ohne ist’s einfach komisch. Daher nehmen wir am besten etwas, das die Mehrheit unserer Leserinnen kennen wird: kleine oder mittelgroße Städte. Denn sie lenken nicht ab, im Gegenteil: Sie lassen unsere Sternchen am Literaturhimmel noch heller strahlen.

Die Schule oder Uni ist außerdem als Umfeld unerlässlich. Schließlich geht unsere Zielgruppe (also die Menschen, mit denen wir Geld verdienen wollen) derzeit zur Uni oder sie ging (vor längerer oder kürzerer Zeit) in die Schule, sodass lustige Anekdötchen aus dem Bio-Unterricht oder der Cafeteria so oder so noch nachvollzogen werden können.

Ihr möchtet gerne weiterlesen? Zur gesamten Glosse geht es hier lang – viel Spaß!

Residents rake in thousands renting homes for Ryder Cup

By Marie Denecke

Golf fans by the score will be flocking to Medinah Country Club during Ryder Cup week. And many won’t be staying in hotels, but in the homes of area residents. This cottage industry, if you will, gives the locals a chance to accommodate guests from all over the world — while making good money in the process.

Monique and Russ Felker are renting out their 2,200-square-foot home for the four days of the international tournament pitting the best golfers from the U.S. against a European team.

The Felkers‘ home is within walking distance of the entrance to Medinah and has a direct view of the golf course. It also has a spacious living room, big screen TVs, pool table and a furnished patio. Although she wouldn’t say exactly how much rental income the family will receive, Monique Felker said that it will be enough to almost fully pay her three children’s private school tuition for next year.

The Felkers listed their property on a website devoted to the renting of homes for fans looking to attend big sporting events. People pitching their homes for a Ryder Cup stay are offering top-of-the-line amenities: fireplaces, Jacuzzis, pool tables, private bars, theater rooms — and in some cases, a maid, if requested. Those creature comforts come with a cost: $1,500 per night for a 2,000-square-foot home and $2,500 per night for a 4,000-square-foot home are typical offerings.

But one night in a high-end home can also cost up to $6,000 — although mostly, homeowners prefer not to communicate prices publicly.

“Home rentals have become a big business,” said Robert E. Hayes, chief executive officer of Phoenix-based Sports Event Rentals, which lists and finds properties for rent for more than 300 sporting events worldwide, including the Ryder Cup, the Super Bowl and the Olympic Games. Residents who want to offer their homes on the website, http://www.sportseventrentals.com, pay a one-time fee of $49.95.

Sports Events Rentals solicits business through search engine optimization, which improves the rank of a website when certain keywords are entered into search engines. And before specific events, Hayes said, the website is advertised in magazines tied to the event and in neighborhoods close to the event.

The Felkers put their house on the market in March, where it sat until a few weeks ago when a contract was signed allowing four golf fans to move in. So what happens to the Felker family during that week? They’re going camping in their mobile home trailer. While four strangers are living in their house, the Felker family, including three of their own kids and two Korean exchange students they are hosting, will be on the road.

“The kids are pretty excited,” said Monique Felker, and it’s about more than just the camping. The children’s rooms are being repainted and equipped with new furniture at the wish of the company renting the dwelling, which wanted the house to be more “adult friendly,” she said. Toys and personal items are being temporarily stored, something the children don’t like so much, Monique Felker said, noting the family picked up the tab of the remodeling.

The upcoming Ryder Cup isn’t the first opportunity for Medinah-area residents to rent out their homes. In fact, one of the online ads for this year’s tournament boasts that the home was rented to Tiger Woods during the 2006 PGA Championship held at Medinah. The couple running the ad were not available for comment. It’s unclear how many homes are being rented through such websites or in privately brokered deals. Local convention and tourism bureaus, which track hotel business, said they don’t monitor home rentals.

“It’s happening, but we don’t hear much about it,” said Dave Parulo, president of the Woodfield Chicago Northwest Convention Bureau in Schaumburg.

But just being ready to become a Ryder Cup landlord isn’t a guarantee it will happen. Addison resident James Duda said he noticed the home rental company’s advertisements on fliers and postcards. He decided to try to rent out his house “to make a little extra cash.” Friends of his had done it before, said Duda, and the family of four thought, “Why don’t we try it?”

So far, however, the family hasn’t been able to close on a contract, although they have had numerous inquiries. For their three-bedroom, 1,500-square-foot home, Duda is asking for $1,000 per night. That’s discounted from the higher price when the home was first put online, he said. “We had high expectations,” he said.

Maybe that’s proof one can never start to early in the sports home-rental business. Homeowners already are marketing their residences for the 2014 Ryder Cup in Scotland.

Veröffentlicht im Daily Herald am 4.9.2012. Den Artikel gibt es hier.

Hat es sich ausgeRaabt?

Wer im TV viel ProSieben sieht, der sieht viel von Stefan Raab. Drei bis vier Mal ist er wöchentlich mit TV Total auf Sendung. Hinzu kommen seine Spezialsendungen, wie am 11. November die Pilotfolge von “Absolute Mehrheit“. Außerdem “Schlag den Raab”, Pokernächte, Autoball-Europa- bzw. Weltmeisterschaften und unzählige weitere Sendungen. Nervt das? Ist das zu viel? Oder gibt es gute Gründe, warum wir von Raab nicht genug zu sehen bekommen?

Am besten hat wohl Max Giermann gezeigt, wie sich die meisten Menschen fühlen müssen, wenn sie an Stefan Raab denken: Nach Raabs “TV Total“ am Montag trat er in der Sendung “Switch“ als Stefan Raab auf. Als Raab, der nicht wusste, welche Sendung er gleich moderieren würde: Turmspringen, “Schlag den Raab“, Stock Car Crash Challenge, Wok-WM, Pokernacht, Bundesvision-Songcontest? Ach nein, fiel ihm da ein: Es war ganz einfach “TV Total“, die Sendung, mit der Raab bei ProSieben berühmt wurde.

Ich will gar nicht leugnen, dass es einem mit Raab zu viel werden kann – allein sechsmal war und ist er zwischen dem 11. und 17. November auf seinem Heimatsender ProSieben zu sehen.

Zweistellige Quoten

Doch das haben wir Zuschauer uns selbst zuzuschreiben: Raab würde nicht ohne Ende Shows produzieren und konzipieren, wenn wir, das Publikum, sie nicht ansehen würden. Und das tun gerade wir Twenty-somethings gern, die Raabs Shows locker zweistellige Fernsehquoten bescheren. Stundenlang schauen wir zu, wenn er mit Promis pokert, in einem Wok eine Eisbahn herunterrutscht oder Bierkästen um die Wette stapelt.

Denn bei Raab weiß man, was man kriegt: Unterhaltung. Dass das kein Zufall ist, sondern großes Talent und Gespür für das, was man als Fernsehzuschauer gerne sehen will, zeigt vor allem seine Show “Schlag den Raab“. Seit 2006 läuft sie, 36 Episoden gab es inzwischen, ein Ende ist nicht in Sicht. So ein Erfolg schlägt Wellen: Die Show ist eines der wenigen deutschen Sendeformate, die ins Ausland verkauft wurden – und das gleich in 18 Länder weltweit. Das schafft keiner, der nicht weiß, wie Unterhaltung geht.

Unser Fernsehen braucht Raab

Und auch jenseits aller (meist niedriger) Privatfernsehen-Standards sage ich: Das gesamte deutsche Fernsehen braucht Stefan Raab. Denn es ist im besten Fall bieder, im schlimmsten Fall eine Verletzung der Menschenwürde. Und in fast allen Fällen: ein Abklatsch von Dingen, die irgendwann mal erfolgreich waren. Raab ist wie eine Verjüngungskur fürs Programm, denn ihm ist nichts peinlich, vor allem dann nicht, wenn er seinen eigenen Kopf mit hinhalten kann. Wer dafür noch Beweise braucht, sollte sich entweder anschauen, wie Raab in seiner neuen Sendung “Absolute Mehrheit“ Spielshow und Politik-Talk kombiniert, oder sich seine alten, durchgeknallten Sachen auf VIVA angucken.

Keine Angst vor dem Scheitern

Über die Jahre im Fernsehgeschäft hat sich Raab eines bewahrt: Ihm ist egal, dass er scheitern könnte. Er probiert einfach mal aus, ob etwas Neues funktioniert. Wo findet man das sonst auf unseren Mattscheiben? Dass auch Raab das wiederholt, was erfolgreich ist, ist unbestritten. Fernsehen funktioniert bei uns leider immer noch vor allem über eines: die Quote.

Doch Raab ist für mich jemand, der keine Scheu davor hat, neue Wege im deutschen Fernsehen zu gehen. Und von solchen Menschen könnte unser Fernsehprogramm noch viel mehr gebrauchen.

Veröffentlicht am 15.11.2012 auf http://www.pflichtlektuere.com. Den Artikel gibt es hier.