Blick in den Spiegel

Fastenzeit und Körperbild, Teil 2

Jeden Morgen. Jeden Abend. Bei jedem Händewaschen. Beim Vorbeigehen, in den Schaufenstern. Heimlich natürlich, flüchtig.

Wir kontrollieren uns, ständig.

Im Spiegel. In Scheiben. Jeder reflektierenden Fläche.

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Kontrollieren, das klingt so negativ. Dabei ist jeder Blick in den Spiegel doch nichts anderes als das. Wir sehen uns an, um zu prüfen, wie andere uns sehen. Und dabei sehen wir doch nur uns selbst an.

Was sagst du mir, Spiegelbild? Siehst du so aus wie das Bild, das ich in meinem Kopf habe?

Sehe ich müde aus? Zu müde? (Schlafe ich falsch? Zu spät, zu wenig, zu unrhythmisch?) Waren die Schatten unter meinen Augen gestern eigentlich auch schon so dunkel?

Also lächle ich die Müdigkeit weg. Das macht natürlich Falten. Werden die allmählich tiefer? (Sollte ich doch eine andere Creme benutzen? Was ist denn eigentlich die richtige? Und was die falsche? Böses Palmöl ist ja überall drin…) Und schon ist der Morgen, für eine Viertelsekunde, versaut.

Der Ganzkörper-Check: Sieht meine Figur heute anders aus als gestern? Zugenommen? Abgenommen? (Sollte ich meine Ernährung umstellen? Vielleicht vertrage ich irgendwas nicht? Den nachmittäglichen Kuchen muss ich mir mal langsam abgewöhnen… Oder gibt’s den auch mit Dinkelmehl? Ich müsste mal mehr Sport machen… Aber dann auch den richtigen. Mache ich den richtigen? Mache ich das Richtige?)

Passt mein Haarschnitt zu mir? Meine Klamotten zu mir? Zu anderen? Zu dem, wofür ich stehe?

Ein neuer Tag. Und schon tausend Urteile, gefällt zwischen Gähnen und Gesichtwaschen.

Mein Blick bleibt kritisch. Aber ich sage meinem Spiegelbild: Kopf hoch! Und hebe tatsächlich das Kinn. Mit einem Lächeln kann ich das Grundrauschen in meinem Kopf vielleicht übertönen. Falten hin oder her!

 

 

 

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„Plus Size Models“ – ein Label wie jedes andere?

Fastenzeit und Körperbild, Teil 1

Zum Auftakt meiner Selbst-Beobachtung in der Fastenzeit – folgendes Zitat des Plus-Size-Models Ashley Graham:

I had to learn to reclaim my body as my own. (…) Curvy models are becoming more and more vocal about the isolating nature of the term „plus size“. We are calling ourselves what we wanna be called; women. With shapes that are our own. I believe beauty is beyond size. With so much emphasis on the body’s external, it’s no wonder we all suffer so much internally.

Das Zitat stammt aus diesem TEDx-Talk des Models (9 Minuten).

Ashley Graham hat für Furore gesorgt, indem sie das Cover der Zeitschrift „Sports Illustrated“ ziert – als erstes sogenanntes „Plus Size Model“. Also ein Model, das nach den Maßstäben der Modeindustrie übergewichtig ist. Laut Ashley Graham beginnt Übergewicht in der Modeindustrie bei size 8, das entspricht einer deutschen Größe 38.

Plus Size – ein Label jedes andere? Aber ganz sicher. Da gibt es die „normalen“ Models – meist weißhäutig, sehr groß, abgemagert. Und sogar untergewichtig reicht nicht immer aus, wie beim schwedischen Model Agnes Hedengard. Und dann gibt es alles, was „Plus Size“ ist.

Umso schöner, dass Models sich dafür aussprechen, die Labels sein zu lassen. Size Zero oder Plus Size? Was soll’s! Je eher man das Labeln weglässt, umso schneller kann ein Umdenken stattfinden. Dass viele verschiedene unterschiedliche Körperformen nämlich ganz normal sind. Und dass die nichts mit dem Gewicht zu tun haben. Und dass Gewicht und Schönheit zwei Themen sind, die nicht voneinander abhängen.

Tja. Schön wär’s.

SEHENSWERT

Der Film „Straight/Curve“, der Ende 2016 herauskommen soll. Er beschäftigt sich mit dem „Trend Plus Size Model“ und dem Körperbild, das die Modeindustrie vermittelt.

Fastenzeit – oder: „Warum vergleichst du dich ständig?“

Schaufensterpuppen

Körperbilder – woher kommt ihr eigentlich? Foto: pr.

Neulich zu Hause:

„Hallo Papa!“

„Schön, dass du mal wieder zu Besuch kommst, Schatz.“

„Ich freu mich auch.“

„Gut siehst du aus! Hast du abgenommen?“

Eine kleine Frage, schon öfters gehört. Immer nervt sie mich, irgendwie. Vielleicht sollte sie mir eigentlich schmeicheln. Sicher ist sie sogar als Kompliment gemeint. Aber dieses Mal regt sich etwas in mir. Ein Widerstand, der vielleicht schon immer da war.

Es ist die Verbindung aus „gut aussehen“ und „abnehmen“, die mein Vater herstellt. Er macht es unbewusst. Aber genau hier liegt das Problem. Denn die Verbindung zwischen attraktiv sein und Gewicht verlieren ist unserer Kultur so verankert wie das deutsche Reinheitsgebot für Bier.

Gewicht und Körperbild, unerschüttlich in unser Gedächtnis gebrannt. In unser Unterbewusstsein. Wie oft vergleichen wir uns mit anderen. Passen unseren Körpern der Mode an – und nicht die Mode unseren Körpern. Denken uns, dass wir glücklicher wären – wenn wir nur ein paar Kilo weniger wiegen würden. Oder endlich mehr Sport machen würden. Essen Kuchen mit schlechtem Gewissen – nein, wir essen nicht, wir „sündigen“. Und entschuldigen uns dafür.

Die Fastenzeit hat begonnen.

40 Tage, von Aschermittwoch bis Ostern (die Sonntage zählen nicht). Viele Menschen „fasten“ während dieser Zeit etwas, das mit Nahrung zu tun hat – Süßigkeiten, Chips, Kaffee, Alkohol. Es ist zum Teil die Zeit des Verzichts. Des In-Sich-Kehrens. Des Auf-Sich-Achtens. Des Abnehmens, oftmals auch.

Vor allem: der Besinnung. Warum esse ich so viel Süßigkeiten? Rauche ich so viel? Wie oft trinke ich eigentlich Alkohol? Wie schwer fällt es mir, auf Torte oder Kaffee zu verzichten?

Was mir auffällt: Es geht in dieser Zeit oft um das „ohne“. Das Weglassen. Aber wichtiger ist doch das „mit“, das Achtsam-Sein?

Statt zu fasten und etwas wegzulassen, werde ich etwas hinzuzufügen: Aufmerksamkeit. Achtsamkeit.

Wie oft am Tag vergleiche ich mich mit anderen Menschen? Warum? In welchen Situationen? Ich bin eigentlich zufrieden mit meinem Körper – eigentlich. Wenn da diese meckernde Stimme in meinem Kopf nicht wäre… Woher kommt die? War sie schon immer da? Und was sagt sie mir genau?

Die Fastenzeit soll für mich eine Reise werden – eine Reise, die mir hilft, mein Körperbild zu verstehen.

Kurzgeschichte: Drei Frauen

Uni

„Meine Familie sagt, dass ich spät dran bin. Sie macht sich Sorgen.“

Ich runzelte die Stirn. „Um dich?“

Sie nickte.

„Echt jetzt? Fassen wir mal zusammen: Du bist Biologin. Du bist gerade in ein irres Doktorandenprogramm gekommen. Du verdienst dein eigenes Geld. Und sie machen sich Sorgen um dich?“

„Wer bis 30 nicht verheiratet ist, wird immer zu Hause bleiben, sagen sie. Meine Cousine hat mit 30 geheiratet. Das war schon spät. Jetzt hat sie einen Mann und ein Kind, und alle sind erleichtert.“

„Das ist doch verrückt“, sagte ich. „Ich bin bald 30. Soll ich jetzt wie ein kopfloses Huhn durch die Gegend rennen, nur weil ich keinen Freund habe?“

„Und bevor man heiratet, muss man ja auch erst mal ein paar Jahre lang glücklich zusammen gelebt haben“, sagte unsere Freundin und verscheuchte energisch eine Fliege vor ihrem Gesicht. „Na ja, sollte man.“

Wir nickten.

„Und auch wenn man verheiratet ist, ist man ja nicht automatisch glücklich“, fuhr unsere Freundin fort. „Meine Cousine und ihr Mann waren lange zusammen. Dann heirateten sie. Ein halbes Jahr später saß sie bei uns in der Küche, hat geweint und gefragt: ‚Ist das der Mann, den ich kennengelernt habe?'“

„Aber alle denken, dass man sicher ist in einer Ehe.“

Ich wollte widersprechen. Doch ich wusste, dass es stimmte. Wer als Frau ab einem bestimmten Alter nicht verheiratet ist, wird schräg angesehen. Als komisch erachtet. Ist sonderbar.

Türkei, Ukraine, Deutschland – diese drei Kulturen waren gerade an einem Tisch versammelt. Und doch war es überall das gleiche. Sofort wussten alle, was gemeint war, wenn eine von uns von unseren Sorgen berichtete. Drei moderne Frauen, die an einem Sommertag im Schatten einer Linde vor einer Universität saßen und sich über die große Frage ihrer Familien unterhielten: Wann die Töchter heiraten würden. Hatte sich wirklich so wenig getan in den letzten Jahrzehnten?

Wir sahen uns an, wir drei Frauen, Mitte bis Ende 20, gebildet, intelligent, voller Pläne für die Zukunft. Ob in ihr ein Ehemann auftauchen würde, wussten wir alle nicht.

Da, plötzlich, richtete sich meine Freundin auf, zupfte ihr Kopftuch zurecht und sagte: „Ich sehe es gar nicht ein, mich selbst unter Druck zu setzen. Ich liebe das, was ich mache. Wenn ein Mann des Weges kommt, und ich Gefühle habe, dann ist es gut so. Wenn nicht, dann kann ich das auch nicht ändern.“

Ihr schmales, blasses Gesicht war entschlossen. Ihr Augen blitzten hinter den Brillengläsern.

Wir zwei anderen sahen sie über den Holztisch hinweg an. Und nahmen uns ein Beispiel an ihr.

Text & Bild: MD

Ein Brief an… Miley Cyrus

Liebe Miley,

du bist durchgeknallt. Das weiß allein jeder, der deinem Instagram-Account folgt. Darauf teilst du mit Millionen von Leuten, dass du riesige Joints rauchst, mit der Heißpistole alles zu „Schmuck“ verklebst, was nicht bei drei auf dem Baum ist, Altare für deine toten Hunde baust und gerne andere Mädels abschleckst. Und gerade erst hast du eine Ballade für deinen toten Kugelfisch veröffentlicht – gekleidet in einem Einhorn-Onesie. (Reinhören – erschütternd gut, gerade ab Minute 3!)

Aber weißt du was? Ich finde trotzdem, dass du ein großes Vorbild bist.

Du hast es rigoros geschafft, dir ein eigenes Image aufzubauen und dich von deinem alten Disney-Image zu lösen. Du machst (zumindest lässt du uns das glauben) konsequent dein eigenes Ding – zum Guten wie zum Schlechten.

Dass du eine ernstzunehmende Künstlerin bist, kann niemand ernsthaft bezweifeln. Allein in deinen sehr hörenswerten „Backyard Sessions“, in denen du zum Beispiel mit Joan Jett auftrittst, beweist du, was für eine Wahnsinnsstimme du hast. Und dass du mit den musikalischen Wurzeln deines Landes noch stark verbunden bist. (Wahnsinn ist allein, wie du „Jolene“ singst!)

Du bist engagiert. So hast du gerade unter anderem die „Happy Hippie Foundation“ ins Leben gerufen – eine Stiftung, die junge Leute dazu bringen will, sich gegen Ungerechtigkeit gegenüber der LGBT-Community und obdachlosen Jugendlichen zu engagieren.

Wie Madonna in den Achtzigern

Und: Du stellst die Geschlechterrollen gnadenlos in Frage. Du flirtest mit Frauen wie mit Männern. Okay, das machen viele derzeit. Aber in einem Interview zum Launch der „Happy Hippie Foundation“ sagtest du zum Beispiel: „Ich fühle mich, als wäre ich nicht an ein Geschlecht gebunden. Oder an ein Alter. Ich fühle mich wie eine unendliche kosmische Sache, und ich will, dass die Menschen das verstehen.“ Sicher, vielleicht war das ganze Gras, das du rauchst, nicht unschuldig an dieser Aussage. Aber es ist eine wunderbare Aussage, die zusammen mit deiner tiefen Stimme und deinem harschen Haarschnitt einfach gut passt.

Allein sich so gegen das amerikanische weibliche Popsternchen-Image einer Jennifer Lopez, Ariana Grande oder Katy Perry zu stellen ist, ja, mutig. Dabei treibst du die Sexualisierung des amerikanischen Pop-Biz rücksichtslos auf die Spitze. Und bist gleichzeitig eine der ersten Frauen deiner Generation, die den selbstbewussten Umgang mit dem eigenen weiblichen Körper und z.B. Masturbation der Popwelt zeigen.

Nenn mich verrückt, aber du erinnerst mich an die Madonna der Achtziger. Und die war damals ziemlich cool.

Du weißt genau, wie deine Fans ticken

Und nicht zuletzt lebst du alle Verrücktheiten aus, die mir nie im Traum einfallen würden. Du machst, worauf du Lust hast. Du willst zu Beginn deines Konzerts auf einer riesigen Nachbildung deiner Zunge auf die Bühne rutschen? Klar, wird gemacht! Auf der Bühne Joints rauchen? Twerken? Masturbieren (oder zumindest so tun)? Mit Geld um dich schmeißen? Riesige Teddybären tanzen lassen? Eine Statue deines verstorbenen Huskeys ansingen? Aber klar machste das!

Doch bei allem merkt man dir an, dass du ganz genau weißt, wie deine Fans ticken. Du holst dir Jacken, Schmuck oder (wahlweise) aufblasbare Riesenpenisse aus dem Publikum und bindest alles in deine Show ein, wie es dir gerade in den Sinn kommt.

Und die Leute? Die rasten aus. Sie feiern dich wie eine Erscheinung. Ja, doch, irgendwie kann ich das verstehen.

Du lebst so, wie du es jetzt gerade für richtig hältst.

Wer weiß schließlich, was es mit einem Menschen macht, wenn man als Kind zu „Hannah Montana“ wird und wie ein Barbiepüppchen mit Duracell-Batterie über die Bühne hüpfen und Plastiklieder wie „Party in the USA“ singen muss. Und dadurch ein Weltstar wird. In einem Alter, in dem die meisten von uns noch „Bibi und Tina“-Kassetten zum Einschlafen gehört haben.

Die Menschen zerreißen sich entweder das Maul über dich. Oder sie feiern dich.

Und du? Du machst, was du willst. Und das finde ich bewundernswert.

„Na, Schnecke?“ Vom Grauen Online-Dating

Derzeit versuche ich es, dieses Online-Dating. Allein, weil ich neugierig bin, welche Portale es da gibt. Und wer sich da alles tummelt. Festgestellt habe ich: Schon durch die erste Nachricht könnt ihr euch selbst richtig dumm dastehen lassen, liebe Männer.

Als ich mich anmelde, habe ich 15 neue Nachrichten. Alles Menschen, die ich nicht kenne. Sie heißen „oceanwave81“, „Huhuuuuu85“ oder, ganz bescheiden, „Mr.Perfect“. Das sind alles Kerle (schätze ich), die mich über ein Online-Datingportal angeschrieben haben.

Und wie sie anschreiben!

„bist hübsch!!!!“, schreibt mir einer. Wie nett, denk ich mir. Aber da steht sonst nichts anderes. Keine Anrede, kein Name drunter, kein Hinweis darauf, was er mit seiner Nachricht ausdrücken will. Für richtige Groß- und Kleinschreibung war anscheinend auch keine Zeit. Was soll ich denn damit anfangen?

Nachricht per Computer: Klar, Online-Dating ist seltsam. Aber man muss es durch die erste Nachricht ja nicht noch komischer machen. Foto: M.Denecke

Nachricht per Computer: Klar, Online-Dating ist seltsam. Aber man muss es durch die erste Nachricht ja nicht noch komischer machen. Foto: M.Denecke

„Na, Sunshine, auch hier? Bock auf ein paar Zeilen?“, fragt der nächste. Sunshine? Bitte? Was ist das für ein Strippername? Und warum hat er den mir gegeben?! Immerhin hat er nur nach meinem „Bock“ aufs Schreiben gefragt, nicht aufs… na ja, lassen wir das.

Von den Typen, die viel kürzere, und viel eindeutigere Nachrichten schreiben, gibt es schließlich genug auf solchen Portalen.

Meine Vermutung: Die gucken, welche Mädels gerade online sind und einigermaßen aussehen, und bombardieren sie dann mit bescheuerten Einzeilern. Aber vielleicht haben die damit ganz gut Erfolg?! Wäre mal eine Studie wert.

Es kommt wohl darauf an, wonach man aus ist – so ein Online-Portal hat mit Sicherheit für jeden etwas dabei.

Bei einer anderen Nachricht muss ich laut lachen – allerdings eher vor Ungläubigkeit denn vor Amüsiertheit.

„Hallo, hier spricht der Captn“, steht da. Ist das witzig gemeint? Oder einfach nur sehr selbstbewusst? Oder hat der Mensch einen so doofen Namen, dass er meint, sich einen übergroßen Spitznamen geben zu müssen – Überkompensation, sozusagen?

Ich schreibe ihm zurück und empfehle ihm in einigermaßen charmanter Art (immerhin mit Smiley), dass er bei der nächsten ersten Nachricht, die er einem fremden Mädel schickt, doch ruhig weniger großkotzig auftreten könnte.

Er antwortet prompt: „Immerhin habe ich dich zum Lachen gebracht!“ Na ja… Ein Smiley steht nicht unbedingt dafür, dass ich gelacht habe wie noch nie im Leben.

Zwei Tage später schreibt er, deutlich kleinlauter: „Ich habe dich doch nicht verschreckt, oder?“ Und unterschreibt mit seinem richtigen Namen. (Oder zumindest mit einem Namen, der tausendmal normaler als „Captn“ ist.)

Doch, haste, Junge!

Ganz ehrlich: Gebt euch doch ein bisschen mehr Mühe, Männer! Als Frau kann man sich auf solchen Portalen nicht retten vor Nachrichten. Das sage ich nicht, weil ich angeben will, sondern weil Frauen auf Portalen meist in der Unterzahl sind. Und gnadenlos angeschrieben werden.

Wer also nur „Hey Süße!“ oder „Na, wie war dein WE?“ schreibt, der kommt nicht weit. Der erste Eindruck zählt, auch beim Online-Dating!

Also: Schreibt mehr als eine Zeile. Kommt nicht mit Blödsinnsnamen wie „Schnecke“, „Baby“ oder „Süße“ um die Ecke – ist schließlich nicht Amsterdam hier. Seid charmant. Wenn ihr euch unsicher seid, was ihr in der ersten Nachricht schreiben sollt (ist ja schließlich auf komisch, auf so einem Online-Portal-Dings), dann sagt das doch einfach. Ganz verrückter Tipp: Guckt euch mal das Profil an von derjenigen, die ihr da anschreibt, und geht darauf ein. Und nehmt euch ein bisschen Zeit, schmiert nicht irgendwas hin ohne Rücksicht auf Punkt, Komma oder Rechtschreibung.

Dann kriegt ihr vielleicht auch mehr zurück als Fragezeichen. Oder Schweigen.

Generation Y – sind wir wirklich so schlimm?

Es gab die Babyboomer, und dann die Generation X/Generation Golf. Und jetzt sind wir da: die Generation Y (sprich: „Generation Why“). Wir sind geboren irgendwann zwischen den späten 70ern und den frühen 90ern. Und wir sind schwierig. Anscheinend. Aber sind wir das wirklich? Wer sind wir denn? Was sind unsere Merkmale? Eine Bestandsaufnahme.

Über uns aus der „Generation Y“ wird viel geschrieben derzeit, weil wir jetzt Ende 20, Mitte 30 sind und die Unis verlassen und auf den Arbeitsmarkt strömen. Wir sind diejenigen, die als nächste Generation mal wieder die Welt retten sollen. Dabei werden wir in letzter Zeit auch „Generation Merkel“ genannt. Urg.

Wir sind anscheinend schwierig im Umgang, weil wir alles wollen, aber nichts können, und gehören analysiert.

Was uns ausmacht? Alles und nichts: Wir sind „Taktiker, Traumtänzer, Angsthasen und Abenteurer“, schreibt das „Zeit-Magazin“ in diesem Artikel. Wir sind „faul und schlau“, befand die „Zeit“ in einer Ausgabe. Wir sind „unglücklich“, erläuterte die „Welt“ mit schnuffigen Strichmännchen. Wir hinterfragen alles, vor allem die Werte unserer Eltern-Generation, zitiert die RP Online einen Sozialwissenschaftler. Die haben als „Generation X“ noch richtig rangeklotzt, wollten Karriere und Geld. Wir hingegen wollen auch einen guten Job, ja, aber auch nette Kollegen, genügend Freizeit und Selbsterfüllung („Work-Life-Balance“ und so).

Trifft das alles zu?, frage ich mich. Ich bin Mitte der 80er geboren – also typisch Generation Y.

Schauen wir doch mal: Wie „typisch“ ich bin für diese („meine“) Generation?

1. Ausbildung

Ich bin froh, einen Uni-Abschluss zu haben. Gute Ausbildung ist mir wichtig. Und ich bin auch froh um meine Berufsausbildung. Beides habe ich mit dem Fleiß gemacht, den ich mir bei meinen Eltern und meinen älteren Geschwistern abgeguckt habe. Und, ja, Ehrgeiz habe ich selbst auch genug.

Aber in meiner Familie stand es auch nie zur Debatte, ob „wir Kinder“ mal studieren würden. Ob an einer Universität oder einer Fachhochschule, egal: Hauptsache Qualifikation! Für den Arbeitsmarkt! Für meinen Vater war es vor allem selbstverständlich – er war der erste in seiner Familie, der zur Uni ging. Meine Mutter hat eine Ausbildung gemacht. Wann auch immer wir ankamen mit Credit Points und Modulen, sie konnte uns nicht helfen. Aber auch sie sah ein Studium bei uns als selbstverständlich an: „Das braucht man doch heutzutage!“

Stimmt, man braucht es heutzutage. Nicht in jedem Beruf, nicht in jeder Branche, klar. Aber in die Berufe, in die meine Brüder und ich wollten, wird es einfach erwartet. Ist es heutzutage selbstverständlich, ein Diplom oder einen Master-Abschluss zu haben. Alle meine Freunde studieren bzw. haben studiert, egal was sie jetzt machen.

Also frage ich mich: Haben wir eine andere Wahl, als Uni-Abschlüsse zu machen, wenn wir bestimmte Berufe ergreifen wollen?

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Ein Brief an… das neue Leben meiner besten Freundin

Liebes neues Leben,

plötzlich bist du da. Ungefragt bist du hereinstolziert. (Und das auch noch im Frühling – alle Klischees scheinen also zu stimmen.) Noch am Tag zuvor waren ein normaler Junge und ein normales Mädchen ein normales Pärchen, das sich über den Putzplan streitet. Und am nächsten Tag steht fest, dass sie Eltern werden. Schon Eltern sind? Auf jeden Fall: Bald die Verantwortung für ein Kind haben. Für ein ganzes Leben. Deinetwegen, du neues, unerwartetes Leben.

Eine meiner besten Freundinnen rief mich vorhin an. Erst das übliche, fröhliche: Wie geht’s?

Sie: Viel Arbeit.

Ich: Total froh, die Abschlussarbeit endlich abgegeben zu haben. Wie war der Urlaub?

Sie: Kalt, aber schön.

Sie: zögert.

Ich: warte, mit seltsamem Gefühl im Bauch.

Sie dann langsam: Es gibt Neuigkeiten… in der Familienplanung.

Von einer Sekunde auf die andere weiß ich, dass meine beste Freundin schwanger ist. Dass sie Mutter wird. In der zehnten Woche ist. Eine Hebamme hat. Und jeden Morgen kotzen muss. (Manchmal auch nachmittags.)

Krass ist an sich ein total bescheuertes, flaches, kleines, ordinäres Wort. (Genau wie total.) Aber nichts anderes will mir über die Lippen kommen. Jede neue Information über diesen neuen, fremden, abgefahrenen Zustand, in dem sich meine Freundin jetzt befindet, ist krass. Übelkeit, Schwindel, Mutterschaftsurlaub, Hebamme, Krankenhäuser, errechneter Geburtstermin, keinen Alkohol mehr trinken, keine Medikamente nehmen dürfen, es den Eltern sagen, vor der Geburt vielleicht heiraten oder auch nicht, gebrauchte Babykleidung kaufen – alles krass. Krassestens. Krassomat. Hammerkrass. (Ja die Steigerungen wurden von Minute zu Minute lächerlicher. Dabei dauerte das Gespräch fast zwei Stunden.)

Natürlich war es nicht vollkommen unerwartet. Wo Frauen und Männer einander zugetan sind, kann eine Schwangerschaft passieren. Soweit habe ich im Bio-Unterricht aufgepasst. Und die beiden lieben sich. Wohnen zusammen. Haben Jobs. Also alles gut.

Aber trotzdem – krass!

Meine liebe beste Freundin - du wirst Mutter. Und damit so ganz anders erwachsen als ich. Foto: M.Denecke

Meine liebe beste Freundin – du wirst Mutter. Und damit so ganz anders erwachsen als ich. Foto: M.Denecke

Die erste Schwangerschaft im engen Freundeskreis. Die Freundin, mit der man in der 7. auf Klassenfahrt im selben Stockbett geschlafen hat. Mit der man sich letztes Silvester noch ziemlich betrunken hat. (Da gab es das Kleine schon, aber noch abgekapselt vom alkoholisierten Körper, schützend umhüllt von Flüssigkeit.) Die letztes Jahr um diese Zeit noch Single war und Torschlusspanik schob. Die sich eine Zeit lang ihre Haare so oft blondierte, dass die zu ihrer Abschlussfeier einfach ausfielen.

Die man so gut kennt wie eine Schwester (wenn man eine hätte).

Mutter – das klingt zu groß, um zu meiner Freundin zu passen

Die sagt jetzt, dass sie eigentlich gerne im Geburtshaus gebären würde. Und keine Helikoptermutter werden will. Finde ich super. Und krass.

Mutter?! Das klingt zu groß, um zu meiner besten Freundin zu passen. Nicht, weil sie nicht eine grandiose Mutter wird. Sondern weil Mutter selbst nach so viel klingt. Und weil mich all diese Neuigkeiten treffen, betreffen, als wäre ich selbst mit schwanger. (Ein bisschen zumindest.)

Es wäre etwas anderes, wenn sie ein Mann und damit mein bester Freund wäre, der mir erzählt, dass er Vater wird. Aber meine beste Freundin! Kein Jahr älter als ich, mit so vielen Erfahrungen, die ich nachvollziehen kann. Die ich miterlebt habe. Sie wird ein Kind bekommen. Sie wird ein Kind großziehen. Das ist so nah. So unglaublich. Und gleichzeitig so real. Weil ich auch Mutter werden könnte. Schon längst sein könnte! (Zumindest, was die Biologie angeht.)

Nicht, dass ich Torschlusspanik hätte. Ich bin 28, mein Gott, ich habe ja wohl noch Zeit. Ich bin gerade mal mit dem Studium durch, arbeite und will noch so Einiges von der Welt sehen. Und doch… Muttersein ist so erwachsen. Anders erwachsen als Nicht-Mutter-Sein jedenfalls.

Dazu passt es, dass mein großer Bruder bald heiraten wird. Er spricht von Hochzeit im Frühjahr, Live-Band und Standesamt. Und von Familiengründung. (Also, nachdem er sich von der durchzechten Nacht mit seinem besten Freund erholt hat.) Mein Bruder, der früher so lange auf dem Klavier spielte, bis wir anderen nicht mehr konnten. Der seine Wochenenden mit Cola, Chips und lauter Nerd-Freunden auf Lan-Partys verbrachte. Dem es schwerfällt, mal ein Wochenende zu Hause zu bleiben. Der sagte, als er von seiner Verlobung erzählte: „Tja, jetzt bin ich weg vom Markt.“

Er heiratet das coolste und liebste Mädchen, wie ich finde. Und die beiden werden großartige Eltern sein.

Noch so zwei.

Einfach… krass. Dieses neue Leben.

Bei Fifty Shades of Grey (der Film) geht es um eine Sache – und es ist nicht Sex

Fifty Shades of Grey, könnte man meinen, handelt von vielen Dingen: einer Beziehung, der großen Liebe, Vertrauen, Sex, Machtspiele… Der Film zumindest, handelt von genau einer Sache – und es ist nicht Sex.

Es geht um das Verhältnis zwischen Mann und Frau heute.

Die Frau, hier Anastasia Steele, überzeugend dargestellt von Dakota Johnson: schlau, hübsch (dabei zum Glück ohne Pornostar sein zu müssen, sie darf z.B. ihre Schamhaare behalten), zerbrechlich, albern, schüchtern, bestimmend. Nicht alles gleichzeitig, es gibt natürlich eine Entwicklung. Aber dennoch ist sie immer diejenige, die (trotz ihrer in jeder Filmszene kürzer werdenden Röcke) die Hosen anhat. Sie lässt sich auf diesen Typen ein, ja, aber sie denkt nach und zögert. Sie ist beeindruckt von Greys überdimensionalem Reichtum, ja, aber macht sich darüber lustig. Sie stolpert, stottert und errötet, ja, aber sie vergisst nie, wer sie ist.

Dann, der Gegenentwurf: der Mann, Christian Grey. Er hat eigentlich nur zwei Funktionen: gut aussehen und Schema F folgen. Schema F ist in diesem Fall: Die Frau erobern, mit allen Mitteln – Kleidern, Riesenwohnung, Riesenunternehmen, Hubschraubern, Autos, Klavierspielen, viel Händchenhalten, viel Küssen, ein bisschen Dominanz, ganz viel schmunzeln, blah blah.

Es liegt mit Sicherheit an Drehbuch und Schauspieler gleichermaßen – aber der Mann ist in Fifty Shades of Grey der graue Schatten, vor dem sich die Frau so richtig austobt. Sie hat Charme, Witz, Farbe, Gefühl, Stärke. Der Mann (gespielt von Jamie Dornan) weiß nicht, was er sein soll: Macho? Frauenversteher? Romantiker? Kleiner Junge? Knallharter Geschäftsmann? Braver Sohn? Anständiger Freund? Er ist nichts richtig. Sagt, dass er das eine nicht ist, obwohl er es gerade erst war, und dass er das andere immer sein wird, obwohl er es nicht wirklich ist.

Männer heute haben es nicht leicht, denke ich mir als Frau. Sie müssen alles ein bisschen sein, und das jeweils zur richtigen Zeit. Aber wann die ist, sagt ihnen niemand. Frauen dürfen (gesellschaftlich gesehen) viel mehr sein, können (endlich mal!) alles sein, was sie sein wollen.

Wo bleibt der Mann da? Er muss sich weiterentwickeln. Weg vom Schema-F-Typen à la Christian Grey. Die sind soooo last century.

Daher ist es in Fifty Shades of Grey auch die Frau, die dem Mann zum Schluss NEIN sagt – und der Mann gehorcht wie ein Hund.

Fifty Shades of Grey, seit 12.02.15 im Kino.

P.S.: Um Sex geht es bei Fifty Shades of Grey nun wirklich nicht. SPOILER, aber: Es gibt genau 2 Sexszenen. Und sind so wunderhübsch inszeniert und ausgleuchtet und enden so brav-rechtzeitig, dass jedes RTL-Publikum schon mehr gesehen hat. Das konnten „Der letzte Tango in Paris“ und „9 1/2 Wochen“ irgendwie besser.

Female beauty…

travelingcolors:

Throughout the course of history, the standard of female beauty has significantly shifted, shaping the ways in which women look and are perceived. Buzzfeedvideo has compiled a short feature with a diverse cast of models, who take the viewer on a journey through the last 3,000 years of beauty. From the curvaceous bodies of the renaissance period in Italy, to the boyish, 1920s figures in the United States, the dramatic evolution proves societies’ standards are constantly unfolding.

Take a look at this video to follow history’s course through trends following everything from full-figures to tiny feet.

https://www.youtube.com/watch?v=Xrp0zJZu0a4

Video: A journey through society’s idea of beauty

via travelingcolors, importiert via: http://mariemachtbilder.tumblr.com/