„Na, Schnecke?“ Vom Grauen Online-Dating

Derzeit versuche ich es, dieses Online-Dating. Allein, weil ich neugierig bin, welche Portale es da gibt. Und wer sich da alles tummelt. Festgestellt habe ich: Schon durch die erste Nachricht könnt ihr euch selbst richtig dumm dastehen lassen, liebe Männer.

Als ich mich anmelde, habe ich 15 neue Nachrichten. Alles Menschen, die ich nicht kenne. Sie heißen „oceanwave81“, „Huhuuuuu85“ oder, ganz bescheiden, „Mr.Perfect“. Das sind alles Kerle (schätze ich), die mich über ein Online-Datingportal angeschrieben haben.

Und wie sie anschreiben!

„bist hübsch!!!!“, schreibt mir einer. Wie nett, denk ich mir. Aber da steht sonst nichts anderes. Keine Anrede, kein Name drunter, kein Hinweis darauf, was er mit seiner Nachricht ausdrücken will. Für richtige Groß- und Kleinschreibung war anscheinend auch keine Zeit. Was soll ich denn damit anfangen?

Nachricht per Computer: Klar, Online-Dating ist seltsam. Aber man muss es durch die erste Nachricht ja nicht noch komischer machen. Foto: M.Denecke

Nachricht per Computer: Klar, Online-Dating ist seltsam. Aber man muss es durch die erste Nachricht ja nicht noch komischer machen. Foto: M.Denecke

„Na, Sunshine, auch hier? Bock auf ein paar Zeilen?“, fragt der nächste. Sunshine? Bitte? Was ist das für ein Strippername? Und warum hat er den mir gegeben?! Immerhin hat er nur nach meinem „Bock“ aufs Schreiben gefragt, nicht aufs… na ja, lassen wir das.

Von den Typen, die viel kürzere, und viel eindeutigere Nachrichten schreiben, gibt es schließlich genug auf solchen Portalen.

Meine Vermutung: Die gucken, welche Mädels gerade online sind und einigermaßen aussehen, und bombardieren sie dann mit bescheuerten Einzeilern. Aber vielleicht haben die damit ganz gut Erfolg?! Wäre mal eine Studie wert.

Es kommt wohl darauf an, wonach man aus ist – so ein Online-Portal hat mit Sicherheit für jeden etwas dabei.

Bei einer anderen Nachricht muss ich laut lachen – allerdings eher vor Ungläubigkeit denn vor Amüsiertheit.

„Hallo, hier spricht der Captn“, steht da. Ist das witzig gemeint? Oder einfach nur sehr selbstbewusst? Oder hat der Mensch einen so doofen Namen, dass er meint, sich einen übergroßen Spitznamen geben zu müssen – Überkompensation, sozusagen?

Ich schreibe ihm zurück und empfehle ihm in einigermaßen charmanter Art (immerhin mit Smiley), dass er bei der nächsten ersten Nachricht, die er einem fremden Mädel schickt, doch ruhig weniger großkotzig auftreten könnte.

Er antwortet prompt: „Immerhin habe ich dich zum Lachen gebracht!“ Na ja… Ein Smiley steht nicht unbedingt dafür, dass ich gelacht habe wie noch nie im Leben.

Zwei Tage später schreibt er, deutlich kleinlauter: „Ich habe dich doch nicht verschreckt, oder?“ Und unterschreibt mit seinem richtigen Namen. (Oder zumindest mit einem Namen, der tausendmal normaler als „Captn“ ist.)

Doch, haste, Junge!

Ganz ehrlich: Gebt euch doch ein bisschen mehr Mühe, Männer! Als Frau kann man sich auf solchen Portalen nicht retten vor Nachrichten. Das sage ich nicht, weil ich angeben will, sondern weil Frauen auf Portalen meist in der Unterzahl sind. Und gnadenlos angeschrieben werden.

Wer also nur „Hey Süße!“ oder „Na, wie war dein WE?“ schreibt, der kommt nicht weit. Der erste Eindruck zählt, auch beim Online-Dating!

Also: Schreibt mehr als eine Zeile. Kommt nicht mit Blödsinnsnamen wie „Schnecke“, „Baby“ oder „Süße“ um die Ecke – ist schließlich nicht Amsterdam hier. Seid charmant. Wenn ihr euch unsicher seid, was ihr in der ersten Nachricht schreiben sollt (ist ja schließlich auf komisch, auf so einem Online-Portal-Dings), dann sagt das doch einfach. Ganz verrückter Tipp: Guckt euch mal das Profil an von derjenigen, die ihr da anschreibt, und geht darauf ein. Und nehmt euch ein bisschen Zeit, schmiert nicht irgendwas hin ohne Rücksicht auf Punkt, Komma oder Rechtschreibung.

Dann kriegt ihr vielleicht auch mehr zurück als Fragezeichen. Oder Schweigen.

Oh weia – ich werde wie Mama!

Ich habe mir früher gesagt, geschworen, dass ich nie wie meine Mama werden würde. Jetzt geht es in den Familienurlaub. Und ich merke: Zumindest beim Packen bin ich ein Mama-Typ.

Oh weia - werde ich wie Mama? Foto: pr.

Oh weia – werde ich wie Mama? Foto: pr.

Ich wollte nie genau so wie meine Mama sein. Nicht, weil meine Mama schrecklich wäre; ich habe sie sehr lieb. Aber ich wollte immer anders sein: abenteuerlustiger, wagemutiger, unabhängiger, und ganz unvoreingenommen.

Ich wollte die Welt sehen. Öfter ins kalte Wasser springen. Erst machen, dann denken – nicht immer, aber auch nicht alles immer klitzeklein denken, bevor ich auch nur den ersten Schritt mache. Vieles davon habe ich auch gemacht und geschafft, und da bin ich stolz drauf.

Aber jetzt? Hm. Ich glaube, ich werde so langsam aber sicher immer mehr wie meine Mama. Oder wie eine Mama, zumindest.

Ich merke es unter anderem daran, wie ich jetzt packe.

Jetzt über Pfingsten sind wir unterwegs, Wanderurlaub: wir Geschwister zusammen mit meiner Mutter. Wir leben alle in verschiedenen Städten, deshalb ist es selten geworden, dass wir alle mal auf einem Fleck sind. Das ist noch zu Weihnachten so (wenn niemand verreist ist). Und zu großen Geburtstagen (wenn die rechtzeitig vorher angekündigt wurden). Und jetzt, zum Familien-Urlaubs-Wochenende.

Ich packe also. Und was packe ich, neben Kleidung fürs Wandern und für den geplanten Konzertbesuch? Pflaster. Desinfektionsmittel. Wundsalbe. Aspirin. Sonnencreme.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich die einzige unserer Familie sein werde, die mit einer kleinen Hausapotheke anreisen wird. Wir sind alle hart im Nehmen. Sollte sich irgendjemand eine Wunde holen, werden wir uns dann mit ihr beschäftigen, wenn sie da ist.

Und ich? Ich sorge vor. Sorge mich. Packe sorgsam. Sollte mir das Sorgen machen?

Andererseits war ich schon immer ein Mensch, der sich dachte: „Wer weiß, ob ich es nicht doch brauchen werde!“ Und der deswegen Sachen sammelt. Sollte schließlich mal der Fall eintreten, dass man seine alten Russisch-Wörterbücher noch mal braucht oder seine 15 Jahre alten Reitstiefel, und die dann weggeben hat – wie ärgerlich wäre das! Meine Wohnung sieht daher aus wie eine Mischung aus Bastelladen und Trödelmarkt.

Ich zucke also die Achseln, denke mir: „Wer weiß, ob ich es nicht doch brauchen werde!“ Und packe auch noch vier zusätzliche Packungen Taschentücher ein. Und einen Sonnenhut. Bei einer Wettervorhersage von 18 Grad und bewölktem Himmel.

Wer weiß…

Vielleicht sollte ich das auch als Übung betrachten, zu dem zu stehen, wer ich bin – der etwas besorgte Mama-Typ.

Ein Morgen auf dem Hamburger Fischmarkt: „Kommt mal ran hier!“

Ob Champagner oder Pils, Banker oder Student: Ein Morgen auf dem berühmten Fischmarkt in Hamburg-Altona ist wie ein Querschnitt durch die Hamburger Gesellschaft. Die wahren Stars des Markts heißen hier Bananen-Fred oder Aale-Dieter. Ein Streifzug.

Bananen-Fred ist heiser an diesem Morgen. Das ist schlecht für einen Marktschreier. Doch noch fällt das kaum auf, denn er hat erst wenig Publikum. Ist ja auch noch früh – sehr früh sogar: Noch ist der Sommerhimmel dunkel, nicht einmal die Möwen sind richtig wach.

Doch Minute um Minute wird es geschäftiger rund um seinen Obstwagen: Händler bauen ihre Stände auf, und von überall her strömen Menschen herbei. Das Tagwerk von Bananen-Fred beginnt: Er schreit die Menschen an, trotz seiner Heiserkeit. „Kommt mal ran hier und nehmt `nen Korb mit! Geht bloß nicht wieder mit so scheiß Blumen nach Hause!“

Die Menge johlt und applaudiert. Auch deswegen kommen sie schon früh, die Nachtschwärmer, die Frühaufsteher, die Touristen, die Hamburger. Sie kommen schon früh, sonntags ab 5 Uhr, wenn der Fischmarkt in Hamburg-Altona zum Leben erwacht.

Guter Marktschreier sein – eine Kunst

Ob Manager oder Student, ob Champagner oder Pils, ob türkische Feigen oder Büsumer Krabben: Auf dem über 300 Jahre alten Markt am Hamburger Hafen, zwischen Landungsbrücken und ehemaliger Fischauktionshalle, findet man zwischen unzähligen Ständen einen Querschnitt durch die Gesellschaft – und deren Speisezettel.

Bananen-Fred ist ein Star des Fischmarkts, so wie Aale-Dieter oder Aal-Kai. Vor ihren Ständen stehen die Marktbesucher in Vierer-Reihen, lachen über ihre Witze und Sprüche, machen Fotos – und kaufen.

„So wird aus einem guten Verkäufer ein sehr guter“, erklärt „Bananen-Fred“ die Kunst, mit gewagten Sprüchen und rauem Charme Publikum an den Stand zu locken.

Seit 1953 kommt er jeden Sonntagmorgen auf den Fischmarkt. Er ist nicht mehr der eigentliche „Fred“, „das war mein Vadder“. Er heißt in Wirklichkeit Dirk Radack, „seit 38 Jahren auf der Welt, seit 36 aufm Fischmarkt.“ Radack packt Körbe voller Obst und verkauft sie für zehn Euro. Genauer gesagt, „für keine 20, keine 15, auch nicht für 13, nein, für nur zehn Euro!“.

Dieter Bruhn, als „Aale-Dieter“ seit inzwischen 50 Jahren auf dem Fischmarkt, ist wohl der bekannteste unter den Hamburger Marktschreiern. Dabei könnte man seinen kleinen Wagen mitten auf dem Markt, zwischen einem Fahnen-Verkäufer und einem Obsthändler, glatt übersehen. Wäre da nicht Aale-Dieters Stimme, mit der er unüberhörbar Ostsee-Aale und Kodiak-Wildlachs anpreist.

„Wenn du was Billiges willst, geh zum Nudelverkäufer!“

Er öffnet den Stand gegen sechs Uhr. Um diese Uhrzeit drängen sich die Menschen schon zwischen den Ständen. Eine blondierte und stark parfümierte Frau um die 50 begutachtet Aale-Dieters Angebot, sie zögert noch: 20 Euro für 700 Gramm Räucherlachs findet sie zu viel.

„Ein Lachs ist ja auch keine Bratwurst!“ ruft ihr Aale-Dieter mit breitem Hamburger Dialekt entgegen. „Der kommt hauchdünn geschnitten aufs Brot, ein büschen Meerrettich dazu, und dann ein Glas Champagner!“ Die Umstehenden lachen. „Wenn du was Billiges haben willst, meen Lütten, dann geh doch zum Nudelverkäufer!“ Die Frau lächelt und holt das Portemonnaie aus ihrer Handtasche.

Hafenromantik - als krasser Kontrast zum Chaos auf dem Hamburger Fischmarkt. Foto: M.Denecke

Hafenromantik – als krasser Kontrast zum Chaos auf dem Hamburger Fischmarkt. Foto: M.Denecke

Um halb sieben geht die Sonne über dem Hafen auf. Blickt man ihr vom Fischmarkt aus entgegen, zeichnet sich schwarz die Silhouette des Turms der St.-Michaelis-Kirche ab – Hamburgs Wahrzeichen. Sanftes Licht fällt auf die backsteinroten Häuserfassaden an der Großen Elbstraße, die für einige hundert Meter dem Verlauf des Fischmarkts folgt. Ein romantischer Kontrast zum chaotischen Marktleben.

Gruppen von Nachtschwärmern mischen sich unter das Marktvolk, kaufen Bier und Fischbrötchen und steuern, leicht schwankend, an Ständen mit heißer Pferdebockwurst und dampfenden Maiskolben vorbei in Richtung Fischauktionshalle. Rockmusik dringt hier durch die bleigefassten Fenster und sperrangelweiten Türen des Gebäudes, in dem schon lange keine Fische mehr versteigert werden.

„Ein Bett im Kornfeld“, live zum Fischbrötchen

Stimmengewirr und süß-fettiger Bier-Brat-Geruch schlagen einem entgegen, Bands spielen Rock-Klassiker von AC/CD oder Schlager von Matthias Reim, auf den Bierbänken sitzen die Menschen Schulter an Schulter. Ende des 19. Jahrhunderts gebaut, wurde die Halle vor knapp 25 Jahren durch einen Senatsbeschluss vor dem Verfall gerettet.

Inzwischen ist es acht Uhr, und die Leute kommen in die Halle zum „Kapitänsbrunch“. Sie trinken Bier oder Champagner, sie tanzen direkt vor den Bühnen, Penner und Studenten, Frauen in langen Kleidern, Männer im dunklen Anzug, Eltern mit ihren Kindern. Eine junge Frau hält einen Strauß Rosen im Arm, sie gibt einem Mann einen Kuss. Dazu „Ein Bett im Kornfeld“, live gespielt. Menschen stehen um die Tanzfläche herum, sehen zu, fotografieren und filmen, zeigen auf diesen oder jenen, der bierselig und selbstvergessen vor der Bühne tanzt.

Um halb zehn scheppern aus den Lautsprechern am Markt einige Takte der „Hammonia“, der Hamburger Hymne: Die Marktzeit ist damit offiziell beendet. Mit blecherner Stimme bedankt sich die Marktaufsicht bei den Besuchern für ihren Einkauf und erinnert die Marktbeschicker daran, dass sie nichts mehr verkaufen dürfen und ihre Stände abbauen müssen.

Augenblicklich verwandelt sich der Fischmarkt in einen verrückten Basar: Die Marktbeschicker versuchen, auf die letzten Minuten ihre Ware loszuwerden. Besonders bei den Obsthändlern wird es hektisch: Sie schreien ihre Angebote heraus („Zwei Melonen für einen Euro!“, „Drei Schalen Trauben für zwei, für zwei, für zwei!“), bieten gelbe Pflaumen mit rotgefrorenen Händen an.

Leere Pappkartons türmen sich neben den Ständen, einige Menschen suchen sich hier zwischen überreifen Honigmelonen und weichen Nektarinen noch genießbare Früchte aus.

Pralle Weintrauben und aufgeplatzte Tomaten pflastern bald das Kopfsteinpflaster.

Die St.-Pauli-Flagge weht bald wieder

Bepackt mit Kisten voller Blumenkohl oder den ersten deutschen Äpfeln, mit Tüten voller Fisch oder Zimmerpflanzen, ziehen die Marktbesucher allmählich von dannen. An den Landungsbrücken werden sie für die ersten Hafenrundfahrten abgeworben. Das Partyvolk wankt ins Hotel, nach Zuhause – oder in die nächste Kneipe. Der Himmel bezieht sich, Regen setzt ein.

Nach und nach bauen die Händler ihre Stände ab, und das Geklapper der Eisenstangen ersetzt das Marktgeschrei. Noch ist der Stand eines Fahnenverkäufers nicht abgebaut: Ein weißer Totenkopf auf schwarzem Stoff, die St.-Pauli-Flagge, flattert im kalten Wind.

Sie wird wieder wehen, am nächsten Sonntag ab 5 Uhr, wenn der Altonaer Fischmarkt wieder zum Leben erwacht.

Dieser Text entstand im Rahmen einer Fortbildung in der Akademie für Publizistik, Hamburg, im Jahr 2009.

Die Welt, sie ist klein

humansofnewyork:

„So get this. I’m driving down Park Avenue one day and this guy waves for me, so I pull over and I ask him where he’s going. He tells me 74th street, and I tell him that’s too far for me, because my shift just ended, so he says ‘thanks anyway’ and walks away. But then I think about it, and I start feeling bad for the guy, cause hey— I got a conscience. So I call him back to the cab and tell him to hop in. And he gets in the car all excited, all animated, and he’s talking about all these things. But he’s got his cap pulled down way over his eyes, so I can’t see who it is. But pretty soon I start to recognize his voice. And when we get to a light, I turn to him, and I look him in the eye, and I scream: „WIIIIIIILLLSSSSSOOOOOOON!!!“ And that really got him. He started laughing hard. He sees that I’ve got this Ferrari hat on, and a Ferrari shirt too, so he starts calling me ‘Mr. Ferrari.’ The whole ride, he keeps calling me ‘Mr. Ferrari.’ So after we get to his destination, we snap a quick photo, and he goes on his way. And I think that’s it. But that’s not it, cause get this. Over the next few weeks, I just happen to randomly pick up people that know him. People who have acted with him before, people who work with him. And every time, I tell them: ‘Tell Mr. Hanks that Mr. Ferrari says ‘hello.’“ Every time I say that. Then one day I’m driving, and I get a text from one of the people that I’d driven, and it says: ‘Mr. Hanks wants to invite you to see his Broadway show.’ So I bring my lady to the show, and we get to go backstage and everything, and after the show, we’re waiting for him in his dressing room, and he walks in and screams: ‘Mr. Ferrari!’ Can you believe that story? And you wanna know the craziest thing? The name of his show was ‘Lucky Guy.’ How crazy is that? Cause that was me. A lucky guy!“

Love these storys, and this one in patricular.

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