Du und die Anderen – und dein Essen

Fastenzeit und Körperbild, Teil 3

Es war nach gut einer Flasche Wein und dem 3. (oder 4.?) Pinnchen Eierlikör, als ich dachte: Das hier, das passt echt gut in meine Fastenzeit. Was denn – der viele Alkohol? Haha, bestimmt nicht. Der dekadente Nachtisch, den ich gerade auslöffelte? Auch nicht. (Katholiken würden mich sonst wohl sofort exkommunizieren!)

Nein, es war eine Erkenntnis. Eine ziemlich simple dazu.

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Essen – und sich nicht vergleichen. Foto: MD

Wir haben gestern beim Nordstadt-Dinner mitgemacht. Die Nordstadt, in Dortmund, ist sowas wie das Berlin-Neukölln der Ruhrgebietsstadt: viel Multikulti, Künstler und Studenten, schrabbelige Ecken, hohe Arbeitslosigkeit, niedrige Mieten. Es gibt ein sogenanntes Quartiersmanagement, das sich unter anderem um die Nordstadt kümmert und versucht, sie voranzubringen. (Aber keine Bange, es gibt auch noch genug andere Teile Dortmunds, die diese Art von Aufmerksamkeit verdienen.)

Ein Teil davon ist das sogenannte Nordstadt-Dinner: Ein Haushalt kocht einen Gang. Zu jedem Gang kommen vier Menschen zu Besuch. Essen, trinken, quatschen. Jeder Haushalt darf also einmal kochen und wird zweimal bekocht. Man lernt fremde Leute und Wohnungen kennen und hat Fremde bei sich zu Hause.

Wir machten gestern Bekanntschaft mit unheimlich lieben Leuten (Fotografen, Geografen, Sportlern), coolen Wohnungen (ja, man kann alles in Rosa und Türkis gestalten. Alles!) und Rezepten, die zum Niederknien lecker waren (Schwarzwälder Kirsch. Im Glas. Mit oben erwähntem Eierlikör).

Die Erkenntnis, jedenfalls: Essen in der Gemeinschaft – das ist die beste Art zu essen, die es überhaupt gibt. Nicht sehr revolutionär, oder?

Wie oft vergleicht man sich beim Essen mit anderen. Sieht, wie viel die anderen essen. Was die anderen essen. Wie sie essen. Gesünder, manierlicher, eleganter, disziplinierter, bewusster? Egal, ob man auf den Teller von Freunden oder von Tischnachbarn schielt. Und irgendwie schneidet man immer schlecht ab.

Man entschuldigt sich für sich selbst. Fürs Essen. („Ich nehme nur noch nach, weil ich kaum was zum Frühstück hatte!“ – „Wenn ich das jetzt noch esse, dann brauche ich den ganzen Tag nichts mehr!“ – „Ich esse sonst nie sowas Süßes!“)

Aber nicht hier. Nicht beim Nordstadt-Dinner. Wo es auch ums Essen geht. Aber nicht nur. Es geht um die Freude des Zusammenseins. Des Kennenlernens. Es geht um Neugierde. Um die Liebe zur Überraschung. Um neue Impulse. Um die große Runde.

Eine Schande wär’s doch, sich dafür zu entschuldigen, dass man alles einfach unfassbar lecker findet. Und Nachschlag nimmt.

Essen, aus Frust oder Scham oder Wut oder Erschöpfung… das machen wir schon oft genug. Immer allein.

Essen aus Freude. Ohne zu vergleichen. Das ist’s. Weil es das Leben so viel schöner macht.

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