Fastenzeit – oder: „Warum vergleichst du dich ständig?“

Schaufensterpuppen

Körperbilder – woher kommt ihr eigentlich? Foto: pr.

Neulich zu Hause:

„Hallo Papa!“

„Schön, dass du mal wieder zu Besuch kommst, Schatz.“

„Ich freu mich auch.“

„Gut siehst du aus! Hast du abgenommen?“

Eine kleine Frage, schon öfters gehört. Immer nervt sie mich, irgendwie. Vielleicht sollte sie mir eigentlich schmeicheln. Sicher ist sie sogar als Kompliment gemeint. Aber dieses Mal regt sich etwas in mir. Ein Widerstand, der vielleicht schon immer da war.

Es ist die Verbindung aus „gut aussehen“ und „abnehmen“, die mein Vater herstellt. Er macht es unbewusst. Aber genau hier liegt das Problem. Denn die Verbindung zwischen attraktiv sein und Gewicht verlieren ist unserer Kultur so verankert wie das deutsche Reinheitsgebot für Bier.

Gewicht und Körperbild, unerschüttlich in unser Gedächtnis gebrannt. In unser Unterbewusstsein. Wie oft vergleichen wir uns mit anderen. Passen unseren Körpern der Mode an – und nicht die Mode unseren Körpern. Denken uns, dass wir glücklicher wären – wenn wir nur ein paar Kilo weniger wiegen würden. Oder endlich mehr Sport machen würden. Essen Kuchen mit schlechtem Gewissen – nein, wir essen nicht, wir „sündigen“. Und entschuldigen uns dafür.

Die Fastenzeit hat begonnen.

40 Tage, von Aschermittwoch bis Ostern (die Sonntage zählen nicht). Viele Menschen „fasten“ während dieser Zeit etwas, das mit Nahrung zu tun hat – Süßigkeiten, Chips, Kaffee, Alkohol. Es ist zum Teil die Zeit des Verzichts. Des In-Sich-Kehrens. Des Auf-Sich-Achtens. Des Abnehmens, oftmals auch.

Vor allem: der Besinnung. Warum esse ich so viel Süßigkeiten? Rauche ich so viel? Wie oft trinke ich eigentlich Alkohol? Wie schwer fällt es mir, auf Torte oder Kaffee zu verzichten?

Was mir auffällt: Es geht in dieser Zeit oft um das „ohne“. Das Weglassen. Aber wichtiger ist doch das „mit“, das Achtsam-Sein?

Statt zu fasten und etwas wegzulassen, werde ich etwas hinzuzufügen: Aufmerksamkeit. Achtsamkeit.

Wie oft am Tag vergleiche ich mich mit anderen Menschen? Warum? In welchen Situationen? Ich bin eigentlich zufrieden mit meinem Körper – eigentlich. Wenn da diese meckernde Stimme in meinem Kopf nicht wäre… Woher kommt die? War sie schon immer da? Und was sagt sie mir genau?

Die Fastenzeit soll für mich eine Reise werden – eine Reise, die mir hilft, mein Körperbild zu verstehen.

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