Dankbar für… Woche 4

Wofür bist du dankbar? Am Ende eines Tages? Einer Woche?

Einmal pro Woche fasse ich zusammen, wofür ich in der vergangenen Woche besonders dankbar war. Und erkläre ganz kurz.

Vielleicht wird das hier ja eine ganz interessante Reise. Immer montags!

Projekt “#dankbarfuer”  –  WOCHE 4

Flugmodus

Nochmal Mails checken? Hat mir da jemand auf WhatsApp geschrieben? Ich warte noch auf eine Nachricht von…! Ich wollte doch noch schnell dieses eine Foto auf Instagram posten. Aber: nix da. Flugmodus an, und im Kopf ist mehr Ruhe. Nichts checken, posten, retweeten, antworten. Durchatmen.

Briefe von Harry Rowohlt

Das Buch „Der Kampf geht weiter – nicht weggeschmissene Briefe“ mit Briefen von Harry Rowohlt hatte ich schon lange im Bücherregal stehen. Jetzt ist Rowohlt gestorben. Und ich habe das Buch aus dem Regal gewühlt. (Woher kommt es eigentlich, dass man sich mit dem Werk eines Menschen oft erst richtig beschäftigt, wenn er gestorben ist?) Ein total lesenswertes Buch. Und, Harry, was warst du wohl für eine coole Sau! Und ich denke mir: Verdammte Hacke, Briefe selber schreiben – müsste man echt öfter machen.

Tanzen, auch wenn es (oder gerade weil) keiner sieht

Was auch immer man von Mumford & Sons halten mag, die alte oder die neue Richtung – aber „The Wolf“ (live natürlich) ist äußerst tanzbar. Ob das nun jemand sieht oder nicht, ist vollkommen egal. Es gibt diesen kitschigen Poesiealbum-Spruch: „Tanze als würde dich niemand sehen. Liebe als wäre dein Herz nie gebrochen. Singe als würde dich niemand hören. Lebe als gäbe es kein Morgen.“ Jaja, carpe diem und so. So oder so macht’s aber einfach verdammt gute Laune. Mir zumindest.

Wochenend-Trips

Irgendwie wird’s schon klappen mit dem Navi. Irgendwie werden schon alle Schlafsäcke und Rucksäcke Platz haben. Irgendwie kommen wir schon durch drei Länder. Und irgendwie passen wir schon in dieses belgische Studentenapartment. Hauptsache, wir sind zusammen. Und verbringen ein wunderschönes Wochenende.

Vier Jahre

„Also woher kennt ihr euch?“ – „Wir haben zusammen angefangen zu studieren.“ – „Und jetzt nicht mehr?“ – „Na ja, ein paar von uns machen jetzt was anders, manche sind fertig…“ – „Und ihr wohnt über ganz Deutschland verteilt?“ – „Teilweise über Europa verteilt.“ – „Und ihr seid immer noch befreundet?“ – „Klar. Seit vier Jahren inzwischen.“

Vier Jahre mit euch. Wow. Danke!

Dieses Projekt… warum mache ich das?

Ich habe es mir zur Gewohnheit gemacht, kurz vorm Einschlafen mir ein Wort, einen Begriff, in Erinnerung zu rufen, der am besten zusammenfasst, wofür ich an diesem Tag dankbar war.

Das hilft ganz gut dabei, all den negativen Kram auszublenden. Der kann einen ja gerade abends gut wach halten. Und das Schöne, Positive leicht verdrängen. Aber das wär doch echt schade.

Liebe Fleisch-Esser – hört auf, euch zu entschuldigen!

Als Vegetarierin ist es echt lustig zu sehen, wie sich die Zeiten geändert haben. Erzählte ich vor ein paar Jahren jemandem, dass ich weder Fleisch noch Fisch esse, war die erste Frage: „Wieso?“ Inzwischen ist das anders – etwas hat sich bei euch getan, liebe Fleisch-Esser. Ihr habt anscheinend das Gefühl, euch fürs Fleischessen entschuldigen zu müssen.

Erzähle ich heute, dass ich fleischlos lebe, ist die erste Reaktion nicht mehr weit aufgerissene Augen oder die Frage nach dem Warum. Die erste Reaktion bei euch, lieben Fleischessern, ist eine Entschuldigung.

„Ich esse ja auch kaum mehr Fleisch.“ – „Wir kaufen nur noch selten Fleisch, und wenn, dann bio!“ – „Es gibt ja auch so viele tolle vegetarische Alternativen!“ – „Wir haben neulich mal Zucchini gegrillt – total lecker, und nichts hat gefehlt.“

Wer Vegetarier ist, isst sofort ethisch korrekter? Glaube ich nicht! Foto: pr.

Wer Vegetarier ist, isst sofort ethisch korrekter? Glaube ich nicht! Foto: pr.

Liebe Fleisch-Esser: Bitte entspannt euch. Zumindest mir gegenüber müsst ihr euch nicht dafür rechtfertigen, dass ihr Fleisch esst. Und dass ihr noch nicht auf den Vegetarier-Zug aufgesprungen seid.

Ja, Vegetarismus ist unheimlich verbreitet. Inzwischen ist es sogar kaum mehr der Rede wert, wenn sich jemand komplett pflanzlich ernährt, also Veganer ist. Statt der Fragen nach dem Warum und „Bist du dann nicht unterernährt?“, die vor ein paar Jahren noch üblich waren, werden inzwischen sofort vegane/vegetarische Rezepte und Erfahrungsberichte ausgetauscht.

Das ist super. Die Toleranz gegenüber alternativen Ernährungsweisen ist – zumindest unter Städtern und jüngeren Menschen – extrem gestiegen. Die Toleranz gegenüber fleischloser Ernäherung sowieso. Ganz ehrlich, ich bin da großer Fan von! Sogar meine Mutter, aufgewachsen auf einem Bauernhof, hat nach 5 Jahren mit einer Vegetarier-Tochter inzwischen verstanden, warum ich kein Fleisch esse. Und guckt auch auf ihre eigene Ernährungsweise.

Aber ganz ehrlich: Entschuldigen müsst ihr euch für nichts. Klar wird es bei mir keine Jubelstürme auslösen, wenn das 2,99-Discounter-Fleisch auf dem Tisch ist. Aber woher das kommt und warum das so billig ist, das wisst ihr selbst. Und meist seid ihr dann ja doch bereit, beim Metzger um die Ecke zu kaufen. Oder zumindest Bio-Fleisch zu wählen und dafür seltener Fleisch zu essen.

Aber ich wäre nie so arrogant, anzunehmen, dass meine Ernährungsweise „die richtige“ ist. Wenn man kein Fleisch isst, weil man gegen Massentierhaltung ist – wäre es dann nicht wirkungsvoller, lokale Metzgereien und Bio-Bauernhöfe zu unterstützen, indem man von ihnen Fleisch kauft? Anstatt gar kein Fleisch zu essen? Der Vegetarier-Trend/Hype/Kult ist daher vielleicht auch schön gedacht, aber zu kurz gedacht.

Ist es per se schlecht, Fleisch zu essen?

Sollten wir nicht eher genauer darauf achten, was wir essen, woher es kommt und unter welchen Bedingungen es gewachsen ist (egal ob Tier, tierisches Produkt oder Pflanze)? Denn wie ethisch bin ich bloß als Vegetarier,  aus Protest gegen Massentierhaltung kein Fleisch zu essen, aber gleichzeitig den 08/15-Käse aus dem Supermarkt zu kaufen? Anstatt regionalen Bio-Käse?

Unsere Generation wächst in dem Bewusstsein auf, dass wir auch durch unser Essen Verantwortung zeigen können. Ja, zeigen müssen. Doch dieser Weg hat für uns (egal ob Fleisch-Esser, Vegetarier, Veganer, Frutarier, Paläos…) gerade erst begonnen.

Dankbar für… Woche 3

Wofür bist du dankbar? Am Ende eines Tages? Einer Woche?

Ich starte ein neues Projekt: “dankbarfuer”. Einmal pro Woche fasse ich zusammen, wofür ich am jeden einzelnen Tag der vergangenen Woche besonders dankbar war. Und erkläre ganz kurz.

Vielleicht wird das hier ja eine ganz interessante Reise. Immer montags!

Projekt “#dankbarfuer”  –  WOCHE 3

Krisentreffen mit Freunden

„Moment – ich bin gleich da!“ Innerhalb von einer Stunde sitze ich einer sehr guten Freundin gegenüber. Die mit kaputtem Band extra hergekommen ist. Damit wir reden können. Sie meine Hand hält. Wir schimpfen können. Und lachen können. Plötzlich sieht die Welt wieder anders aus. Danke. Für solche Freunde. Und solche Treffen.

Sterne gucken

Hier im Ruhrgebiet muss man schon ein bisschen Glück haben, um einen richtig schönen Sternenhimmel zu sehen. Aber Metropolregion, Lichtverschmutzung und Großstadt hin oder her: Ins Gras legen, hochgucken, Sterne betrachten. Und zugucken, wie mehr und mehr Sterne dazukommen.

Mit Überforderung umgehen

Wie ist denn das jetzt gemeint? Ist das richtig so? Mache ich es falsch? Wo ist denn hier der rote Faden, der große Plan? Und wie viele Fragen, die sich nicht beantworten lassen, verträgt so ein normaler Menschenkopf eigentlich? Überforderung! Gut, wenn die beste Freundin einen da ganz schnell wieder runterbringen kann. Man muss ja nicht auf alles eine Antwort haben.

Arbeitstage, die aus der Reihe tanzen

Zwei Kolleginnen und ich sind im Namen der Arbeit unterwegs. Auf einem großen Campusfest. Wir: in bunt – Sender-Outfit. Die Leute sind neugierig, lassen sich in Gespräche verwickeln, sind interessiert. Und freuen sich über Kekse (und Flyer). Um uns herum: bestes Essen, Musik, Wassereis, Kinderschminken, Spiele. Ich hätte das den ganzen Tag machen können!

Perspektive

Manchmal verrückt alles. Und man sieht sich selbst, die eigenen Probleme, und nichts anderes mehr. Unheimlich wertvoll, wenn man dann Leute hat, die die richtigen Fragen stellen. „Hast du das schon mal so gesehen?“ – „Vielleicht ist das ja auch ganz anders gemeint?“ – „Wenn du an der Stelle des anderen wärst, würdest du es dann nicht auch so machen?“ Und auf einmal versteht man. Und da sind sie, die Perspektiven. Der Wald, den man vor lauter Bäumen nicht mehr gesehen hat. Danke!

Bahnreisen mit Papa

In den Urlaub sind wir früher immer im Auto gefahren. Ich verbinde daher Bahnreisen nicht mit Urlaub, Familie oder Kindheit. Wie besonders ist es da, mal mit dem eigenen Vater Bahn zu fahren. (Vor allem, weil er eigentlich nie Bahn fährt!) Wir teilen uns einen Vierer. Zwischen uns ein Tisch. Darauf: Zeitungen, Getränke, Lesebrille, Smartphones. Aber diese Dinge sind uns egal. Wir reden. Über Gott und die Welt, die an unserem Fenster vorbeirauscht. Auf einmal haben wir Zeit. Und schweigen auch mal. Und plötzlich fühlt es sich doch nach Kindheit und Urlaub an.

Erdbeerkuchen

Braucht keine Erklärung, finde ich.

Dieses Projekt… warum mache ich das?

Ich habe es mir zur Gewohnheit gemacht, kurz vorm Einschlafen mir ein Wort, einen Begriff, in Erinnerung zu rufen, der am besten zusammenfasst, wofür ich an diesem Tag dankbar war.

Das hilft ganz gut dabei, all den negativen Kram auszublenden. Der kann einen ja gerade abends gut wach halten. Und das Schöne, Positive leicht verdrängen. Aber das wär doch echt schade.

Dankbar für… Woche 2

Wofür bist du dankbar? Am Ende eines Tages? Einer Woche?

Ich starte ein neues Projekt: „dankbarfuer“. Einmal pro Woche fasse ich zusammen, wofür ich am jeden einzelnen Tag der vergangenen Woche besonders dankbar war. Und erkläre ganz kurz.

Vielleicht wird das hier ja eine ganz interessante Reise. Immer montags!

Projekt „#dankbarfuer“  –  WOCHE 2

Träume

Ist natürlich oll-pauschal. Aber allein die Freude auf den nächsten Tag zählt für mich als Traum. Oder Vorstellungen davon, wie etwas werden könnte. Was etwas werden könnte. Wohin es einen ziehen könnte. Mehr Träume für die Welt!

Ankommen

Nicht viel erklären müssen. Verstanden werden. Auch ohne viele Worte. Oder große Worte. Beine ausstrecken, Augen schließen. Und zu wissen: Ich bin angekommen.

Live-Aufnahmen von Pearl Jam

Manchmal will man was herausschreien. Und wer könnte das schöner als Pearl Jam.

Küstenwind

Autofenster runterkurbeln. Wind schlägt dir entgegen. Möwengeschrei. Vor dir: das Meer. Du steigst aus. Der Wind reißt an deiner Jacke. Die Sonne ist so hell. Sie glitzert im Meer. Wo kann es schöner sein als hier?

Faul sein

Es sind 30 Grad. Mir zu heiß. Die anderen joggen 15 Kilometer. Tragen Volleyball-Turniere aus. Springen Trampolin um die Wette. Sollen sie machen. Ich liege auf der Wiese, im Schatten. Und bin faul. Herrlich!

Draußen essen

Es hat etwas unheimlich Kindisches, draußen zu essen. Kindisch-toll. Etwas Besonderes ist es sowieso. Blätter landen auf den Tellern. Mindestens eins in der Sauce. Irgendwas weht immer weg. Um einen herum Hasen, Vögel, rauschende Baumkronen, Sonne, Wind. Man hat was vergessen und muss kurz rein, ins dunkle Haus. Aber man darf schnell wieder raus, an den Holztisch, zu den Freunden. Nach draußen. Mehr davon!

Pause zwischen Gänseblümchen

Eine Decke, eine Wiese, ein blauer Himmel, Vogelgezwitscher, viele Blumen. Mehr braucht’s nicht. (Und umsonst ist’s auch noch.)

Dieses Projekt… warum mache ich das?

Ich habe es mir zur Gewohnheit gemacht, kurz vorm Einschlafen mir ein Wort, einen Begriff, in Erinnerung zu rufen, der am besten zusammenfasst, wofür ich an diesem Tag dankbar war.

Das hilft ganz gut dabei, all den negativen Kram auszublenden. Der kann einen ja gerade abends gut wach halten. Und das Schöne, Positive leicht verdrängen. Aber das wär doch echt schade.

Dankbar! Für…

Wofür bist du dankbar? Am Ende eines Tages? Einer Woche?

Ich will ein neues Projekt starten: „dankbarfuer“. Einmal pro Woche fasse ich zusammen, wofür ich am jeden einzelnen Tag der vergangenen Woche besonders dankbar war. Und erkläre ganz kurz.

Warum? Ich habe es mir zur Gewohnheit gemacht, kurz vorm Einschlafen mir ein Wort, einen Begriff, in Erinnerung zu rufen, der am besten zusammenfasst, wofür ich an diesem Tag dankbar war.

Das hilft ganz gut dabei, all den negativen Kram auszublenden. Der kann einen ja gerade abends gut wach halten. Und das Schöne, Positive leicht verdrängen. Aber das wär doch echt schade.

Vielleicht wird das hier ja eine ganz interessante Reise. Immer montags!

Projekt „#dankbarfuer“  –  WOCHE 1

Familienchaos

Egal wie nervig die Brüder manchmal sind oder wie anstrengend das Verhältnis zu den Eltern sein kann – wenn die Familie abends zusammensitzt (was selten genug passiert), beim guten Essen, einem Glas Rotwein, und Frieden einkehrt – dann bin ich dankbar für alle, und alles. Auch das Chaos.

Blindes Verstehen zwischen Freunden

Ein Kochabend mit Freunden, und man isst und quatscht stundenlang. Die Stimme einer Freundin durchs Telefon direkt am Ohr, obwohl sie Hunderte Kilometer weit weg ist. Ein paar Fotos mit einer Freundin via Smartphone austauschen: „Wo bist du?“ „Was machst du?“ „Steht mir das?“ „So sieht’s bei mir gerade aus!“ Gold wert.

Erlebtes

Erinnerungen. Freude. Schmerz. Bilder, im Kopf, im Herzen. Geschichten, Jahre alt. Schön, furchtbar, schmerzhaft, einzigartig. Danke.

Kreative Einfälle

Abends, eigentlich schon viel zu spät. Morgen früh muss ich schließlich arbeiten. Aber der Kopf gibt keine Ruhe. Rattert, rattert, rattert. Ganz viele Ideen, Bilder, Gesprächsfetzen. Schön, wenn der Rest des Körpers sich dann mitreißen lässt. Schlafen kann ich auch noch morgen Abend.

Mut zu kleinen Dingen

Manchmal braucht es gar nicht viel, um mutig zu sein. Also, mutig fürs eigene Leben. Ein offenes Lächeln. Ein „Kann ich Ihnen helfen?“. Ein Gang zum Friseur. Ein Klick auf den „Antworten“-Button.

Infrage stellen

Mich selbst anzweifeln, das kann ich gut. Aber genauso gut kann ich alles um mich herum infrage stellen. Das nervt oft. Kann ich nicht endlich mal Frieden schließen, mit mir und der Welt?, denke ich mir dann. Aber manchmal denke ich mir auch: Nö. Und das ist gut so. Denn man sollte nicht alles einfach so hinnehmen. Es ist okay, manchmal zu zweifeln.

Bauchkribbeln

Furchtbar. Weil begleitet von: Schlaflosigkeit, Übelkeit, nassen Achseln, zitternden Händen, dem spontanten Verlust sämtlicher Coolness. Aber furchtbar schön.

Ein Brief an… Miley Cyrus

Liebe Miley,

du bist durchgeknallt. Das weiß allein jeder, der deinem Instagram-Account folgt. Darauf teilst du mit Millionen von Leuten, dass du riesige Joints rauchst, mit der Heißpistole alles zu „Schmuck“ verklebst, was nicht bei drei auf dem Baum ist, Altare für deine toten Hunde baust und gerne andere Mädels abschleckst. Und gerade erst hast du eine Ballade für deinen toten Kugelfisch veröffentlicht – gekleidet in einem Einhorn-Onesie. (Reinhören – erschütternd gut, gerade ab Minute 3!)

Aber weißt du was? Ich finde trotzdem, dass du ein großes Vorbild bist.

Du hast es rigoros geschafft, dir ein eigenes Image aufzubauen und dich von deinem alten Disney-Image zu lösen. Du machst (zumindest lässt du uns das glauben) konsequent dein eigenes Ding – zum Guten wie zum Schlechten.

Dass du eine ernstzunehmende Künstlerin bist, kann niemand ernsthaft bezweifeln. Allein in deinen sehr hörenswerten „Backyard Sessions“, in denen du zum Beispiel mit Joan Jett auftrittst, beweist du, was für eine Wahnsinnsstimme du hast. Und dass du mit den musikalischen Wurzeln deines Landes noch stark verbunden bist. (Wahnsinn ist allein, wie du „Jolene“ singst!)

Du bist engagiert. So hast du gerade unter anderem die „Happy Hippie Foundation“ ins Leben gerufen – eine Stiftung, die junge Leute dazu bringen will, sich gegen Ungerechtigkeit gegenüber der LGBT-Community und obdachlosen Jugendlichen zu engagieren.

Wie Madonna in den Achtzigern

Und: Du stellst die Geschlechterrollen gnadenlos in Frage. Du flirtest mit Frauen wie mit Männern. Okay, das machen viele derzeit. Aber in einem Interview zum Launch der „Happy Hippie Foundation“ sagtest du zum Beispiel: „Ich fühle mich, als wäre ich nicht an ein Geschlecht gebunden. Oder an ein Alter. Ich fühle mich wie eine unendliche kosmische Sache, und ich will, dass die Menschen das verstehen.“ Sicher, vielleicht war das ganze Gras, das du rauchst, nicht unschuldig an dieser Aussage. Aber es ist eine wunderbare Aussage, die zusammen mit deiner tiefen Stimme und deinem harschen Haarschnitt einfach gut passt.

Allein sich so gegen das amerikanische weibliche Popsternchen-Image einer Jennifer Lopez, Ariana Grande oder Katy Perry zu stellen ist, ja, mutig. Dabei treibst du die Sexualisierung des amerikanischen Pop-Biz rücksichtslos auf die Spitze. Und bist gleichzeitig eine der ersten Frauen deiner Generation, die den selbstbewussten Umgang mit dem eigenen weiblichen Körper und z.B. Masturbation der Popwelt zeigen.

Nenn mich verrückt, aber du erinnerst mich an die Madonna der Achtziger. Und die war damals ziemlich cool.

Du weißt genau, wie deine Fans ticken

Und nicht zuletzt lebst du alle Verrücktheiten aus, die mir nie im Traum einfallen würden. Du machst, worauf du Lust hast. Du willst zu Beginn deines Konzerts auf einer riesigen Nachbildung deiner Zunge auf die Bühne rutschen? Klar, wird gemacht! Auf der Bühne Joints rauchen? Twerken? Masturbieren (oder zumindest so tun)? Mit Geld um dich schmeißen? Riesige Teddybären tanzen lassen? Eine Statue deines verstorbenen Huskeys ansingen? Aber klar machste das!

Doch bei allem merkt man dir an, dass du ganz genau weißt, wie deine Fans ticken. Du holst dir Jacken, Schmuck oder (wahlweise) aufblasbare Riesenpenisse aus dem Publikum und bindest alles in deine Show ein, wie es dir gerade in den Sinn kommt.

Und die Leute? Die rasten aus. Sie feiern dich wie eine Erscheinung. Ja, doch, irgendwie kann ich das verstehen.

Du lebst so, wie du es jetzt gerade für richtig hältst.

Wer weiß schließlich, was es mit einem Menschen macht, wenn man als Kind zu „Hannah Montana“ wird und wie ein Barbiepüppchen mit Duracell-Batterie über die Bühne hüpfen und Plastiklieder wie „Party in the USA“ singen muss. Und dadurch ein Weltstar wird. In einem Alter, in dem die meisten von uns noch „Bibi und Tina“-Kassetten zum Einschlafen gehört haben.

Die Menschen zerreißen sich entweder das Maul über dich. Oder sie feiern dich.

Und du? Du machst, was du willst. Und das finde ich bewundernswert.